Ein gutes Klima für den Klimawandel: Wie ihn zumindest bremsen?

Schwarzenegger, Bush, Teile der EU und Österreichs denken um – höchste Zeit also auch für die Produzenten und Benützer von Automonstern.

Sogar George W. Bush wird grün: In seiner traditionellen „Rede zur Lage der Nation“ hat der US-Präsident gefordert, seine Bürger sollten den Verbrauch des für sie nach wie vor unglaublich billigen Benzins in den nächsten zehn Jahren um ein Viertel senken, auch „um den Herausforderungen des Klimawandels zu begegnen“. Selbst wenn Bush solche Pläne deshalb vortrug, um vom Desaster des Irakkriegs abzulenken (inzwischen ist er deswegen der unbeliebteste Präsident seit Nixon am Tiefpunkt des Watergate-Skandals), ist das eine bemerkenswerte Kursänderung: Bis jetzt war der Lobbyist der Ölindustrie ein heftiger Gegner aller Klimaschützer und deswegen auch des Kyoto-Protokolls. Nun akzeptiert er immerhin zwei grundlegende Tatsachen: Der die gesamte Welt bedrohende Klimawandel ist – auch – selbst gemacht, vor allem durch den verstärkten Ausstoß von Kohlendioxid, CO2. Und man kann seine schädlichen Wirkungen – spät, aber doch – wenigstens bremsen. Etwa dadurch, dass weniger Schadstoffe von weniger großen Autos in die Luft geblasen werden. Kaliforniens Arnold Schwarzenegger ist noch viel konkreter: Er will die Autoindustrie dazu bringen, für neue Produkte Höchstgrenzen einzuhalten oder sie andernfalls mit empfindlichen Zusatzsteuern belegen.

EU-Umweltkommissar Stavros Dimas denkt ähnlich: Der Grieche will mit einer neuen Kohlendioxid-Richtlinie die Autohersteller verpflichten, den CO2-Ausstoß ihrer Neuwagen (derzeit emittiert jedes Auto durchschnittlich 160 Gramm pro Kilometer) bis 2012 um ein Viertel (auf 120 Gramm) zu senken. In der vorwöchigen FORMAT-Debatte hat Ivan Hodac, Generalsekretär der ACEA (Verband der europäischen Automobilindustrie), überraschend positiv reagiert. Die Autoindustrie (sie wird es freilich nicht schaffen, das selbst gesteckte Ziel einer Reduktion auf 140 Gramm bis 2008 zu erreichen) leistet schon jetzt einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung der Kyoto-Ziele: technologische Fortschritte hätten den CO2-Ausstoß von Autos in den letzten Jahren um 13 Prozent sinken lassen, nun sei die Politik am Zug: Her mit einheitlichen CO2-Steuern, welche weitere technische Verbesserungen zwecksVerringerung des Schadstoffausstoßes stimulieren würden. Unabhängig davon will Dimas auch höhere Steuern für Fahrzeuge mit extrem viel PS. Dagegen läuft vor allem die deutsche Autolobby (die französische Konkurrenz produziert vergleichsweise harmlose Produkte) mit ihren starken Marken Mercedes, BMW und Porsche (Spitzenwert: 300 Gramm CO2 pro Kilometer) Sturm. Ihr Mann in Brüssel: Industriekommissar Günter Verheugen. Ihr aktueller Vorteil: die deutsche EU-Präsidentschaft.

Es mag lustig, prestigeträchtig, bisweilen zweckentsprechend sein, auch in Städten riesige Geländewagen zu pilotieren, besonders hubraumstarke SUVs (Sports Utility Vehicles) zu besitzen oder ultraschnelle Turbos, deren Kraft und Tempo man bei Einhaltung gesetzlicher Vorschriften auch nicht annähernd ausnutzen kann. Aber dieses Vergnügen sollte – neben den ohnehin hohen Anschaffungs- und Betriebskosten – auch seinen ökologischen Preis haben. Die Verringerung von Benzinverbrauch und Schadstoffemissionen nennt auch die aktuelle „Newsweek“ eine von „7 simple ideas, that can save the world“. Natürlich stimmt es, dass Autoabgase nur einen Teil der CO2-Emissionen verursachen, natürlich stimmt es auch, dass diesbezüglich die wirkliche Ökobombe derzeit in Asien tickt (nicht auszudenken, was passiert, wenn jeder Chinese künftig ebenso viel Auto fahren würde wie jeder Nordamerikaner), natürlich kann nicht jeder selbst „die Welt retten“.

Aber ganz „unschuldig“ sollte sich niemand fühlen, ganz untätig niemand sein. Auch im kleinen, in dieser Hinsicht gar nicht reinen Österreich nicht: Seit 1990 haben sich die CO2-Emissionen um 18 Prozent erhöht statt – wie im Kyoto-Protokoll vorgesehen – um 13 Prozent verringert. Und: Jeder Österreicher heizt statistisch gesehen die Erdatmosphäre jährlich mit elf Tonnen CO2 auf, sparen könnte und müsste er vor allem beim Verkehr und beim Heizen. Dank vieler Anlässe: Weltweite Studien dokumentieren die Dramatik der Situation, ein warmer Winter schafft Betroffenheit, der ORF verstärkt sie durch einen hervorragenden Klimawandel-Schwerpunkt (und markiert, was er als nationales Leitmedium schaffen kann). Mit gutem Grund: Passiert gar nichts, wird es in Österreich keine Gletscher mehr geben und keinen traditionellen Wintertourismus. Dann ist Schluss mit lustig.

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