Ein Jahr Euro - Die Zwischenbilanz

Die Zwischenbilanz ein Jahr nach der Währungsumstellung ergibt: Der Euro wurde eher zum Teuro als zum Freuro, die Österreicher haben mit dem Umdenken noch immer ihre liebe Not, und die Unzufriedenheit steigt. Immerhin: Der Eurokurs hat sich stabilisiert.

Preiserhöhungen in Zeiten der Währungsumstellung sind sensibel: Als der Dornbacher Friedhofsgärtner Bernhard Ziegler die Gebühr für die Friedhofstoilette von zwei Schilling auf vierzig Cent anhob, setzte es prompt eine Beschwerde beim Verein für Konsumenteninformation (VKI). „Wir mußten die Automaten wegen des Euro umstellen“, rechtfertigt Ziegler die 175prozentige Preiserhöhung, „und die Leute machen so viel Schmutz.“

Ein Jahr nach der Währungsumstellung bekommt nicht nur Ziegler den Unmut der Konsumenten zu spüren. Aufrufe zu Firmenboykotts wie in Italien oder die offizielle Verurteilung von Preiserhöhungen durch die Regierung wie in Deutschland hat es hier nicht gegeben. Auch die Inflationsrate verrät keinen flächendeckenden Preisanstieg – sie liegt mit rund zwei Prozent sogar niedriger als im Jahr 2001. Trotzdem ist die Verunsicherung der Österreicher enorm: Laut einer Umfrage der Arbeiterkammer (AK) glaubt eine satte Mehrheit von 95 Prozent, daß der Euro die Preise nach oben getrieben hat. Ein Drittel findet, daß diese Erhöhungen sogar „sehr stark“ ausgefallen sind.

Auslöser sind dramatische Fälle wie der eines Wiener Bodenlegers, der für das Verlegen eines Kunststoffbodens um 83 Prozent mehr als 2001 verlangte. Auch in der Gastronomie hagelt es Beschwerden, etwa über das Wiener Restaurant Tartufo, in dem das Gedeck im Vorjahr 15 Schilling und heuer 2,50 Euro kostet. Dazu kommen neue Zahlungsgewohnheiten, die den alten Hunderter zum Zehn-Euro-Schein machen: Die Silvestergabe für den Rauchfangkehrer vieler Haushalte wird heuer nicht 100, sondern 137,70 Schilling kosten.

Faktum ist: Wer gern außer Hause ißt und häufig Handwerker beschäftigt, ist klarer Euroverlierer.

  • Eurofalle Gastronomie
    Laut Statistik Austria stieg etwa der Preis für ein Mineralwasser in Cafés und Restaurants durchschnittlich um 5,6 Prozent, der für ein Paar Frankfurter um acht Prozent. Ein Becher Punsch kostete am Meidlinger Adventmarkt voriges Jahr 25 Schilling, heuer sind es 2,50 Euro. Und die Österreicher neigen dann noch dazu, beim Trinkgeld von 2,10 Euro auf drei Euro statt auf 2,30 aufzurunden.

Die Wirte sprechen von schwarzen Schafen. Die Betroffenen haben, schon weil währungsbedingte Teuerungen noch bis 1. Jänner verboten sind, gute Ausreden. „Wir haben jetzt bessere Lieferanten“, begründet etwa Günter Mrazek vom Wiener Restaurant Tartufo den neuen Preis für sein Gedeck. Die Palatschinken in der Palatschinkenkuchl wurden angeblich deshalb um zehn Prozent teurer, weil jetzt Schlagobers inkludiert ist. Und die Geschäftsführung des noblen Café Landtmann begründet die Preiserhöhung für die Zitronenlimonade von 28 Schilling auf 2,70 Euro schlicht mit einem „bisher einfach viel zu billigen Preis“.

David Hell, Bernhard Salomon

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