Ein Jahr danach

Sechs Momentaufnahmen nach zwölf Monaten Selbständigkeit: Wie sich das Leben von Jungunternehmern verändert, auf welche Hürden und Hilfen sie stoßen, und womit sie nie gerechnet hätten.

Als Bereichsleiter für Unternehmensstrategie und Entwicklung beim börsennotierten Ziegelkonzern Wienerberger hatte Moritz Stipsicz dank Berufserfahrungen als smarter Banker bei Morgan Stanley in London schon in jungen Jahren eine glänzende Karriere hingelegt: Mehr als 100.000 Euro Jahressalär und die Hoheit über bis zu 20 Mitarbeiter je nach Projekt waren für den 28-jährigen Hobbyfotografen nicht schlecht.
Seit einem Jahr ist Schluss mit Zweireihern aus feinem Tuch und Dienst-BMW. Jetzt waschen er und seine Partnerin Valerie Loudon schon einmal die Nassräume in der eigenen Fotogalerie Momentum in Wien-Neubau auf oder schlagen zwischen Terminen mit Hoteldirektoren, denen sie ihre Foto-editionen schmackhaft machen wollen, Nägel in die Wand. Stipsicz hat den Schritt zum Kleinunternehmer nicht bereut: „Früher habe ich meine Person für ein Gehalt verkauft“, sagt er, „jetzt baue ich aus meiner Passion eine Struktur auf.“

30.162 Unternehmen wurden in Österreich im Jahr 2006 gegründet. Sechs dieser Gründer fragte FORMAT, wie es ihnen ein Jahr danach denn so geht. Wie hat sich ihr Leben verändert? Womit hätten sie nicht gerechnet? Eine Moment-aufnahme, die auch Mut und Lust auf das Abenteuer Selbständigkeit macht.

Zwar hat oft genug die Realität die schönsten Businesspläne völlig über den Haufen geworfen. Ohne Rechtsanwalt oder Webdesigner aus dem eigenen sozialen Netzwerk, die notfalls zum Freundschaftspreis anpacken, hätten manche schon wieder zugesperrt. Dafür freuen sie sich jetzt darüber, dass sie theoretisch auch mittwochs ohne Rechtfertigung blau- machen könnten (obwohl sie es nie tun). Und darüber, dass sie nicht mehr mit dem Kopf durch die Wand eines Rudels von Verhinderern und Besserwissern müssen, wenn sie eine Idee haben.

„Ich freue mich am Sonntag schon auf den Montag“, sagt Thomas Handlir, Gründer des IT-Unternehmens process4.biz, das in einer Software-Nische im Bereich firmeninterner Kontrollsysteme tätig ist. Handlir, dessen Programmierer in der sibirischen Version des Silicon Valley, dem Taiga Valley, sitzen, hat es nachträglich als Glücksfall erkannt, dass er ohne Fremdkapital starten konnte. Er finanziert den Laden gemeinsam mit einem Partner aus Erspartem. Handlir: „Wer sich Geld etwa von Private-Equity-Fonds holt, befindet sich erst recht wieder in der Spirale der Abhängigkeit, und dann ist Selbständigkeit auch wieder relativ.“

Die Jungunternehmerförderung stellt sich im Praxistest als kompliziert und langwierig heraus. Wer die dafür aufzuwendende Energie in einen guten Deal steckt, steigt besser aus, so der Tenor der sechs Durchstarter. Sven Purns, mit seinem Partner Christoph Birkmayer Gründer der auf sündteure Sonnenschutzsegel spezialisierten Firma Sassos, meint: „Wer auf Förderungen setzt, sollte es gleich bleiben lassen. Wenn sie aufs Konto kommen, ist man entweder schon erfolgreich oder pleite.“

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