Ebola in Europa: 7 Fakten zum Killervirus

Erstmals ist ein Mensch in Europa an dem tödlichen Ebola-Virus erkrankt; insgesamt starben an der aktuellen Epidemie über 3400 Menschen. Format.at erklärt, wie die Krankheit übertragen wird, woher sie kommt und ob es Chancen auf ein Gegenmittel gibt.

Ebola in Europa: 7 Fakten zum Killervirus

Ebola in Europa? In den vergangenen Wochen hatte es bereits öfters Warnungen gegeben, die sich später als falscher Alarm entpuppten. Doch nun haben sich die Befürchtungen bewahrheitet; erstmals hat sich ein Mensch in Europa mit dem tödlichen Ebola-Virus infiziert. Eine Krankenschwester in Spanien war durch den Kontakt mit einem Patienten erkrankt, laut Mitteilung des spanischen Gesundheitsministeriums sind zwei Bluttests positiv. Nun wird der Gesundheitszustand von mehr als 30 Menschen überwacht; die USA kündigten verstärkte Fluggastkontrollen an, mit denen ein Ausbruch der Ebola-Epidemie in den USA verhindert werden soll.

Slideshow: Ebola - der Killervirus aus dem Dschungel

Nach Angaben des Generaldirektors der medizinischen Erstversorgung der Region Madrid, Antonio Alemany, betrat die Frau zweimal das Krankenzimmer des Ebola-Patienten. Einmal zur Pflege, ein anderes Mal gleich nach dem Tod des spanischen Geistlichen Manuel Garcia Viejo, der sich in Sierra Leona mit Ebola infiziert hatte und mit einem Flugzeug der spanischen Luftwaffe ausgeflogen worden war. Der 69-jährige Geistliche starb am 25. September in Madrid. Die Erkrankte wurde in der Nacht zum Dienstag in das Krankenhaus gebracht, in dem auch Garcia Viejo behandelt wurde. Eine Ansteckung bei dem ebenfalls behandelten Missionar Miguel Pajares wurde ausgeschlossen.

Das österreichische Gesundheitsministerium hat bereits am 7. August eine offizielle Information zu Ebola und den Infektionsrisiken ausgegeben. Anlässlich der wachsenden Beunruhigung hat Format.at die sieben wichtigsten Fakten zum tödlichen Virus zusammengestellt.

1. Übertragung über Hautkontakt

Die Ansteckungsgefahr bei Ebola ist relativ gering. Der Virus nicht durch Tröpfcheninfektion übertragen, sondern nur durch direkten Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten einer infizierten Person. Allerdings weist das Robert Koch-Institut (RKI) laut Wikipedia darauf hin, dass für eine Person, die "engen Kontakt ohne Schutzkleidung zu einem schwer mit Ebola-/ Marburgvirus- Erkrankten hatte, der z.B. gehustet […] hatte" "hohes Expositionsrisiko" besteht. Aus diesem Grund trägt das medizinische Personal, das in Ebola-Infektionsgebieten arbeitet, auch eine entsprechende Schutzkleidung.

2. Übertragung über Gegenstände und Tote

Auch soll eine Übertragung über Gegenstände möglich sein, die in Kontakt mit Infizierten waren. Bei Temperaturen zwischen 4 Grad Celsius und Raumtemperatur kann der Virus mehrere Tage überleben. Weiters heißt es von Medizinern, dass auch ein Kontakt mit den Verstorbenen noch die Krankheit übertragen kann – laut der NGO Ärzte ohne Grenzen sollte daher vermieden werden, dass sich Angehörige mit direktem Körperkontakt von den Verstorbenen verabschieden.

3. Symptome und Inkubationszeit

Laut Ärzte ohne Grenzen beträgt die Inkubationszeit – also die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Krankheit – zwischen zwei und 21 Tagen. Meistens bricht die Krankheit nach acht bis zehn Tagen aus. Während der Inkubationszeit besteht laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Ansteckungsgefahr. Nach 21 Tagen ist mit einer Erkrankung nicht mehr zu rechnen.

Befindet sich das Virus im Körper, vermehrt es sich und dringt in alle lebenswichtigen Organe ein. Es kommt zu einem plötzlichen Auftreten von Kopfschmerzen, Unwohlsein, Muskelschmerzen, hohem Fieber, Bauchschmerzen und Dehydratation. Anschließend kommt es zu einem Hautausschlag. „Die Blutungsneigung ist extrem erhöht“, heißt es von der NGO –was sich in Form von blutigem Stuhl, blutigem Erbrechen und Schleimhautblutungen äußert. Meistens sterben die Patienten innerhalb der zweiten Krankheitswoche; wegen der hohen Ansteckungsgefahr werden sie während dieser Zeit isoliert.

4. Ursprung von Ebola

Die Frage des Ursprungs ist noch nicht hundertprozentig geklärt. Mediziner nehmen an, dass das Virus von Flughunden (großen Fledermäusen) auf den Menschen übergegangen ist.

Die Krankheit wurde beim Menschen erstmals 1976 im Sudan und in der Demokratischen Republik Kongo entlang des Flusses Ebola festgestellt. Beim ersten allgemein bekannten Ausbruch erkrankten in 55 Dörfern entlang des Flusses 318 Menschen, von denen 280 starben. Der erste Fall trat in einem belgischen Missionskrankenhaus auf. Kurz darauf waren fast alle Nonnen, Krankenschwestern und Patienten erkrankt - die Krankheit war unter anderem über verunreinigte Spritzen übertragen worden. Heute warnen Mediziner explizit davor, Nadeln zu verwenden, von denen nicht bekannt ist, ob sie zuvor bereits verwendet wurden.

5. Ansteckungsgefahr bei Geschäftsreisen

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist die Ansteckungsgefahr für Touristen und Geschäftsreisende in den betroffenen Gebieten relativ gering - selbst wenn die Reise in Regionen führt, in denen Fälle von Ebola erkannt wurden. Der Grund dafür ist, dass für eine Übertragung meist der direkte Körperkontakt inklusive Übertragung von Flüssigkeiten möglich ist. solche Kontakte sind beim üblichen Geschäftsreisenden unwahrscheinlich; und es wird auch explizit davon abgeraten.

6. Wie viele Ausbrüche gab es bisher?

Bei der WHO waren zwischen 1976 und der aktuellen Epidemie 20 Ebola-Ausbrüche sowie vier Einzelerkrankungen erfasst. Bei 15 dieser Ausbrüche starben mehr als 20 Menschen, dreimal waren es mehr als 200 Menschen: Beim ersten registrierten Ausbruch 1976 im damaligen Zaire (280), 1995 erneut im gleichen Land (254) und 2000 in Uganda (224). Zuletzt hatten sich 2012 in der Demokratischen Republik Kongo 57 Menschen angesteckt, 29 starben. Insgesamt waren bei der WHO vor dem aktuellen Ausbruch 2.387 Ebola-Erkrankungen erfasst, 1.590 der Infizierten starben. Bei der aktuellen Epidemie gab es hingegen laut WHO 7470 Erkrankungen und 3431 Tote bis 1. Oktober 2014 (Quelle: Ebola Roadmap Update/WHO).

7. Gibt es ein Gegenmittel?

Das Medikament ZMapp von Mapp Biopharmaceutical in San Diego wurde bereits mehrfach erfolgreich eingesetzt - allerdings ist es nur in geringen Mengen produziert worden, somit sind die Vorräte derzeit aufgebraucht. Ein weiterer Kritikpunkt ist zudem, dass die Nebenwirkungen nicht ausgiebig erforscht wurden. Vor ähnlichen Problemen steht auch das Unternehmen Tekmira, dessen Medikamente ohne ausführliche Tests nun bei der aktuellen Epdemie eingesetzt werden. Aktionäre profitieren nun von der starken Nachfrage nach den Medikamenten.