Doppelte Zuständigkeit für Wissenschaft

Ist eine Institution zu bedauern, wenn zwei Bundesministerien um die Zuständigkeit rittern? Wohl kaum! Das freut eher, umso mehr als maßgebliche Personen und Institutionen wie die Rektorenkonferenz, der RFTE, der Wissenschaftsrat und der Club der Wittgensteinpreisträger in Sachen FWF-Ressortzugehörigkeit zum Ausdruck gebracht haben, dass ihnen das Wohl des FWF am Herzen liegt.

Das Rittern zwischen dem bm:vit und dem bm:wf ist umso bemerkenswerter, als der FWF über eine gesetzlich fixierte Autonomie verfügt, die die Möglichkeit der Einflussnahme seitens der geldgebenden Ministerien stark einschränkt. Der Kompromiss der geteilten Zuständigkeit ist nicht ganz neu: Bereits in den letzten beiden Legislaturperioden waren beide Ministerien für den FWF zuständig, allerdings war das bm:vit als Aufsichtsbehörde für 90 % der Budgetmittel verantwortlich, das bm:wf nur für 10 %. Auf der Ausgabenseite war es genau umgekehrt: 90 % der FWF-Mittel flossen in die Zuständigkeit des bm:wf (d. h. in Universitäten und die ÖAW).

In der Regierungserklärung wird der FWF als unentbehrliches Instrument der Entwicklung des Wissenschaftsstandortes Österreich genannt, der gestärkt werden soll. Eine gute Ausgangssituation! Interessant wird sein, ob es bei der symmetrischen „doppelten Zuständigkeit“ gelingt, die budgetären Ressortgrenzen zu überwinden. Letzten Endes sind es die Personen und nicht formale Zuständigkeiten, die über den Erfolg entscheiden. Und hier können wir optimistisch sein. Das Bewilligungsvolumen des FWF hat sich gut entwickelt: Das Jahr 2006 brachte dem Wissenschaftsfonds das stärkste Wachstum. Hoffen wir, dass auch zukünftige Projekte, wie die Abgeltung von Overhead-Kosten, der Ausbau der Doktoratskollegs zu „doctoral schools“ und die Etablierung von „Exzellenz-Clustern“ realisiert werden, ohne die klassische Einzelprojektförderung zu vernachlässigen. Doppelte Zuständigkeiten können zu Kompetenzstreitigkeiten führen, aber auch dazu, dass sich zwei wichtige Player für dieselben Ziele einsetzen. Die Zeichen stehen gut, dass der FWF seine erfolgreiche Arbeit gestärkt fortsetzen kann.

Telekom Austria COO Alejandro Plater (li.) und CEO Thomas Arnoldner

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