Die Zukunft der Bawag

Die Pleite der Gewerkschaftsbank ist abgewendet. Doch die Zukunft der Bawag PSK ist – abgesehen davon, dass sie verkauft werden soll – völlig unklar. FORMAT analysiert den aktuellen Status und die Pläne möglicher Käufer.

Die ersten Witze kursieren bereits: Gehen zwei Banker am Grab von Helmut Elsner vorbei und lesen am Grabstein: „Helmut Elsner, ein ehrlicher Kaufmann, ein guter Golfer“. Sagt der eine zum anderen: „So etwas, den haben sie mit zwei wildfremden Männern beerdigt.“

Den Herren, die sich am 1. Mai um 21 Uhr auf Einladung von Wolfgang Schüssel im Bundeskanzleramt versammelten, war weniger zum Lachen zumute. Vertreter von Bundesregierung, des ÖGB, der Bawag sowie sechs großen Konzernen der Finanzbranche – Erste Bank, BA-CA, Volksbanken, RZB, Uniqa und Wiener Städtische – verhandelten ein Carepaket für die angeschlagene Gewerkschaftsbank. Knapp vor Mitternacht ging die Runde mit einer Rahmenvereinbarung auseinander, die der Bawag-PSK-Gruppe insgesamt 1,35 Milliarden Euro an Garantien und zusätzlichen Mitteln sichert.

Nächtliches Rettungspaket für die Gewerkschaftsbank. Diese Finanzspritze war für das Institut tatsächlich lebensnotwendig. Erst sie ermöglichte den entscheidenden Wendepunkt in den Perspektiven der Bank: die mögliche Einigung mit den amerikanischen Gläubigern des insolventen Investmenthauses Refco. Die Drohung einer Milliardenklage in den USA sorgte nämlich für lange Schlangen an den Schaltern. Die Kunden räumten ihre Konten, was in einigen Filialen sogar zu einem Mangel an Bargeld führte.

Die US-Anwälte werfen der Bank vor, durch hohe Kredite der Refco die Möglichkeit gegeben zu haben, ihre marode Finanzsituation zu verschleiern. Sie sei damit quasi Mittäter. Über die Forderung der US-Gläubiger von einer Milliarde Euro (1,3 Milliarden Dollar) wurde ein außergerichtlicher Vergleich weitgehend ausverhandelt, der auch die Forderungen der Refco-Aktionäre, einer anderen Klägergruppe, einschließen dürfte. Das Ergebnis stand bis Redaktionsschluss nicht fest, doch die Bawag wird mindestens 550 Millionen Euro in mehreren Tranchen zu zahlen haben. Um diese Summe überhaupt aufbringen zu können, musste die nächtliche Hilfsaktion eingeleitet werden.

Insgesamt hat das Bawag-Management mithilfe der ÖGB-Spitze in den letzten zehn Jahren satte 2,5 Milliarden Euro – rund 35 Milliarden Schilling – verzockt. Zu viel, um aus eigener Kraft zu überleben.

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