Die Zeiten für Schlafmittel sind an der Börse vorbei

Nur aktive Anleger werden langfristig Erfolg haben.

Als Börsenlegende André Kostolany im Jahr 1991 nach einem Aktientipp gefragt wurde, gab er einen simplen Rat: „Legen Sie sich eine Palette von internationalen Blue Chips ins Depot. Anschließend gehen Sie in die Apotheke, kaufen sich ein Schlafmittel, stellen Ihren Wecker und lassen sich erst 1997 wieder aufwecken. Dann werden Sie eine positive Überraschung erleben.“ Dieser später berühmt gewordene Ratschlag zur Beruhigung von hypernervösen Anlegern, die ständig zum falschen Zeitpunkt kaufen und ­verkaufen, war damals tatsächlich goldrichtig. So stieg zum Beispiel
der US-Index Dow Jones in diesen sechs Jahren von 1.800 auf über 5.000 Punkte.

Das heißt aber noch lange nicht, dass Kostolanys Schlafmittel-Rezept eine ewig gültige Börsenweisheit ist. Nicht einmal der 1999 gestorbene Börsen­altmeister glaubte daran, dazu war er viel zu pragmatisch. Drei Monate vor seinem Tod, als die Börsen schon mitten im Internetfieber steckten, riet er dazu, die Hälfte der Aktien zu verkaufen: „Dann freut man sich, wenn die Börse weiter steigt, und auch, wenn die Börse fällt, weil man ja den halben Gewinn in Sicherheit gebracht hat.“ Anleger, die damals auf den neuen
Rat Kostolanys hörten, hätten sich bekanntlich riesige Summen erspart.

Was würde uns Kostolany heute raten? Angesichts der immer stärker zunehmenden Börsenhektik würde er vermutlich empfehlen, nicht einfach die Augen zu verschließen, sondern die Börsen hellwach zu beobachten und bei den Anzeichen der nächsten Blase ­wieder Gewinne ­mit­zunehmen. Sonst kann es einem wie beim Beispiel der österreichischen Immobilienaktien passieren, dass die in vielen Jahren aufgebauten Profite in wenigen Monaten dahin sind. Umgekehrt sollte man in Phasen, in denen die Aktien tief gefallen sind, auch einmal beherzt zugreifen und die billigen Kurse ausnutzen – auch wenn man dabei nicht ganz den absoluten Tiefpunkt erwischt. Tipps für vielversprechende Aktien und Fonds finden Sie ab Seite 138. Übrigens: Den idealen Zeitpunkt für Kauf und Verkauf hat auch Kostolany allenfalls durch Zufall erwischt – deshalb sein weiser Rat, nur einen Teil des Kapitals zu dispo­nieren. Viel zu viele Anleger haben aber Kostolany offensichtlich nur halb zugehört und reagieren beim Anlegen vollkommen passiv. Das gilt vor allem für Besitzer von Fondspolizzen oder anderen Tilgungträgern, mit denen
die Rückzahlung von Fremdwährungskrediten angespart wird. Die Versicherungen beobachten, dass neun von zehn Kunden noch nie einen Wechsel der Fonds beantragt haben, obwohl dies bei den meisten Gesellschaften kostenlos wäre. Mitschuld daran tragen auch Ver­sicherungsvermittler, die anfangs hohe Provisionen von einer Jahresprämie und mehr kassieren und sich dann nicht mehr um die Polizzen kümmern. Falls Ihr Berater ­inzwischen längst über alle Berge ist, hilft nur die Eigen­initiative. Nur wer ­seine Investments von Zeit zu Zeit einer kritischen Prüfung unterzieht und je nach Börsenlage ­einmal beschleunigt und dann bei drohender Gefahr den Fuß vom Gas nimmt, wird auf Dauer erfolgreich sein.

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