Die Wirkung der Spesen oder: Einer wird gewinnen

Warren Buffett hätte nach Spesen nur ein Zehntel des Reichtums

Warren Buffett hat es in den vergangenen 42 Jahren geschafft, das Kapital in ­seiner Aktiengesellschaft Berkshire Hathaway im Durchschnitt um 20 Prozent im Jahr zu vermehren. Das Ergebnis ist bekannt: Buffett ist mit 62 Milliarden Dollar inzwischen der reichste Mann der Welt. Der britische Ökonom John Kay (www.johnkay.com) hat jetzt eine ketzerische Rechnung aufgestellt, was aus Buffetts Vermögen geworden wäre, wenn man den Ertrag durch jährliche Spesen reduziert hätte, wie sie im Hedgefondsgeschäft üblich sind. Kay kalkuliert mit vergleichsweise moderaten zwei Prozent Fixspesen und einer Gewinn­beteiligung von 20 Prozent, der den Ertrag von Buffett unter dem Strich auf 14 Prozent gedrückt hätte. Die langfristigen Folgen dieser auf den ersten Blick nicht besonders einschneidenden Maßnahme sind fast unglaublich. Nach 42 Jahren würde Buffett auf „nur“ noch fünf Milliarden Dollar Vermögen kommen, während sein Fondsverwalter die restlichen 57 Milliarden Dollar besäße, wenn er sein Geld ohne Abzug mit 20 Prozent vermehrt hätte. Der Effekt des Spesenabzuges und damit die Verringerung der Rendite von 20 auf 14 Prozent hätte Buffett also neun Zehntel seines Reichtums gekostet. Übrigens ist das Ergebnis ähnlich ernüchternd, wenn man nicht mit zwanzig Prozent Bruttoertrag kalkuliert, sondern nur mit zehn oder gar fünf Prozent. Nach der Formel zwei Prozent Fixspesen plus 20 Prozent Erfolgsbeteiligung wird auf Dauer immer der Vermögensverwalter deutlich reicher als der Kunde. Bei fünf Prozent Bruttorendite vor Spesen könnte Buffett heute über 32 Millionen Dollar verfügen, während sein Fondsmanager es auf 82 Millionen bringen würde.

Mit Hedgefonds zum Milliardär. Die Rechnung erklärt auch, warum auf der einen Seite die erfolgreichsten Hedgefondsmanager mehr als eine Milliarde Dollar pro Jahr verdienen, während die Erträge, die man als Otto Normalverbraucher mit Hedgefonds einstreift, meist kaum der Rede wert sind. Hier kassieren nämlich nicht nur die einzelnen Hedgefondsmanager, sondern auch noch die Fondsgesellschaften, die die Dachfonds bestücken.
Bei den Dach-Hedgefonds österreichischer Banken blieben in den vergangenen drei Jahren oft nur zwei bis drei Prozent Rendite übrig (siehe S. 91). Lediglich zwei Produkte, der Alpha Strategies der Constantia (ISIN AT0000620976) und der Raiffeisen-Dach-Hedgefonds (AT0000619028), erreichten 5,5 Prozent und mehr. Das ist zwar auch nicht viel mehr als eine gute Sparbuchverzinsung, aber beide Produkte qualifizieren sich immerhin als Depotsteine, deren Einsatz einen gewissen Sinn macht. Schließlich können solche Produkte das Gesamtrisiko des Depots verringern. Man sollte bloß nicht erwarten, dass man damit reich wird.

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