Die neuen Visionen des Bill Gates

Bill Gates, mächtigster Unternehmer der Welt, gibt bei Microsoft Gas wie in alten Zeiten. Sein Konzern soll alle Lebensbereiche erobern. Nächste Woche präsentiert Gates seine Ideen in Wien.

Supermann Bill Gates, 48, sieht nicht nur jung aus, er kann sich auch an technischen Spielereien begeistern wie ein Jugendlicher. Bei einer Elektronikshow in Las Vegas vor zwei Wochen präsentierte er verzückt die Smart Watch von Microsoft: eine Armbanduhr, über die Nachrichten oder auch der Wetterbericht zu empfangen sind. Der Wecker, der gleich die aktuelle Verkehrslage für den Weg zur Arbeit mitliefert, kann Gates genauso erfreuen – solange das Gerät mit Software aus seiner Firma läuft.

Alltagsgeräte sollen drahtlos untereinander oder mit dem Internet kommunizieren können. Bill Gates, der erfolgreichste Unternehmer unserer Zeit, will dafür die Sprache liefern. Microsoft hat mit dem PC-Betriebssystem Windows zwar 93 Prozent Weltmarktanteil. Aber der PC-Absatz stagniert. Um das Wachstum hoch zu halten, pusht Gates Microsoft zu neuen Ufern wie in alten Zeiten.

„Seamless Computing“, die nahtlose Verfügbarkeit von Information, nennt Gates seine Vision zum Wohle der Menschheit – und vor allem von Microsoft. „Ein digitales Nervensystem wird Business in der Geschwindigkeit der Gedanken ermöglichen, der Schlüssel zum Erfolg im 21. Jahrhundert“, so lautet eine der Botschaften des Digitalmonarchen mit rund 50 Milliarden Dollar Vermögen.

Auch der bevorstehende Wien-Besuch von Bill Gates steht unter dem Motto „Seamless Computing“. In einem Marathon wird er am 28. Jänner beim Beraterkongress com.sult auftreten, Mitglieder der heimischen Regierung und Ministeriumsvertreter treffen, mit ausgewählten Chefredakteuren und Microsoft-Großkunden parlieren sowie beim .NET-Day die nächste Windows-Generation vorstellen.
Ein Großkampftag, der klarmachen soll, dass Microsoft mehr kann als PCs zu füttern. Gates: „Überall, wo wir Software einsetzen können, um ein Gerät interessanter zu machen, werden wir das tun.“ Zum Beispiel beim Hometrainer, der die letzten Geschäftszahlen aufs Display holt, oder beim Mikrowellenherd, der am TV-Schirm meldet, wenn das Essen fertig ist.

Anfeindungen, ein rücksichtsloser Monopolist zu sein, ließen Gates immer kalt. Allmachtsträume wie diese waren immer die größte Gefahr für die beispiellose Erfolgsstory von Microsoft. Der angedrohten Zerschlagung konnte der Gigant jedoch knapp entgehen. Auch die massiven persönlichen Anfeindungen als rücksichtloser Weltmonopolist ließen Gates immer kalt. Seit er 2000 den Vorstandsvorsitz bei Microsoft an seinen Studienfreund Steve Ballmer abgegeben hat, kratzen ihn die Angriffe noch weniger.

Auf der Visitenkarte des Gründers steht jetzt „Chief Software Architect“. Strategiemanager Steven VanRoekel: „Bill genießt es sehr, sich wieder intensivst um die Entwicklung der Technologie kümmern zu können.“ Schon vor zehn Jahren sagte Gates etwas geringschätzig: „Business ist ja nicht besonders kompliziert, das beansprucht nur zehn Prozent meiner Zeit.“

In der Fachwelt ist sein Ruf als Manager dessen ungeachtet phänomenal. In einer brandaktuellen Umfrage der Zeitung „Financial Times“ wählten ihn 903 Top-Executives aus 20 Ländern wieder zum renommiertesten Manager der Welt.

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PLUS: Was Bill Gates in Wien macht
PLUS: Das Projekt: Totale Vernetzung
PLUS: Der unverwüstliche „Spirit“ von Microsoft
PLUS: Bill Gates im O-Ton: „Die digitale Dekade bringt ultimative Tools“

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