Die Tricks der Chefs - und die Gegenstrategien

Martin Wehrle, selbst ein Exboss, entlarvt in seinem Buch „Die Geheimnisse der Chefs“ die gängigsten Tricks der Vorgesetzten. Und zeigt, welche Gegenstrategien Mitarbeitern zum Erfolg verhelfen.

Sie sind die loyalsten Mitarbeiter; sie schuften den ganzen Tag, sind nicht permanent auf Karriere aus, stellen keine großartigen Gehaltsforderungen, und für den Spaß an der Sache machen sie auch gerne einmal ein paar Überstunden mehr. Dennoch sind sie – die Idealisten im Job – diejenigen, die von ihrem Boss mit gefinkelten Tricks hingehalten werden. Und sie merken es nicht einmal.

„Absurderweise behaupten sich bei ihren Chefs ausgerechnet jene Mitarbeiter, die ihre Arbeit zwar mit weniger Engagement erledigen, dafür aber raffiniert die eigene Karriere vorantreiben“, erklärt der deutsche Personalcoach und Business-Bestsellerautor Martin Wehrle im FORMAT-Interview. In seiner jüngsten Publikation „Die Geheimnisse der Chefs“ (Hoffmann und Campe) entlarvt der 34-Jährige die Kniffe der Chefetage und liefert praktische Anleitungen, wie man die Methoden der Vorgesetzten durchschaut und in den Griff bekommt. Aus der Chefperspektive provoziert er bei den Lesern Erkenntnisse, die er selbst in zehn Jahre langer Erfahrung als Führungskraft (u. a. für die Nobeldrogeriekette Douglas) gesammelt hat, und bietet hilfreiche Einblicke in die Hirne der Bosse: „Chefs werden unter anderem fürs Lügen bezahlt. Nur wenn man gelernt hat, sich in den Kopf des Vorgesetzten hineinzudenken, begreift man das Spiel“, so Wehrle. Und vermeidet derart, über den Tisch gezogen zu werden.

Der Mitarbeiter fühlt sich vom Chef gebauchpinselt. Ein Beispiel aus der Berufspraxis: Der Chef stattet einem Mitarbeiter kurz vor Dienstschluss einen Besuch in dessen Büro ab und singt ihm ein Loblied auf seine Arbeit. Wegen herausragender Leistungen wird er „zum Dank“ vom Boss mit einer besonderen Aufgabe betraut. Der Besungene fühlt sich gebauchpinselt und registriert nicht, dass ihm gerade noch mehr Arbeit aufgehalst wurde. Ja, er freut sich sogar noch darüber.

Diesem gängigen „Loblied-Trick“ kann man allerdings Paroli bieten. Martin Wehrle rät: „Nur durch gezieltes Nachhaken entlarven Sie nebulose Heucheleien und zwingen Ihren Chef zu konkreten Aussagen.“

Schwieriger wird es mit weniger leicht zu durchschauenden Chefstrategien wie dem „Hinhalte-Trick“. Obwohl der Boss Ihre Arbeit ganz offensichtlich schätzt, findet er nur in den seltensten Fällen lobende Worte – das Wort „Beförderung“ hat er in Ihrem Beisein noch nie in den Mund genommen. Dabei ist seine Masche logisch: Er würde nur das Funktionieren seiner Abteilung aufs Spiel setzen, schlüge er Sie für höhere Weihen vor. Wehrles Gegenstrategie zum Nachmachen: „Man sollte sich neue Herausforderungen suchen und eventuell – wenn nicht zu gefährlich – zarte Bande zum Chef des Chefs knüpfen.“

Hinterwäldlerische Tricks und Psycho-Schmähs. Besonders Frauen wären heute beliebte Opfer trickreicher Vorgesetzter. Was Kathrin Zechner, Wiens designierte Musical-Intendantin und Ex-Programmdirektorin im ORF, nur bestätigen kann: „Derlei Methoden sind hinterwäldlerisch und menschenverachtend. Ich habe oft erlebt, dass Frauen mit dem Psychoschmäh gepackt werden. Viele fallen darauf rein, weil sie es gewohnt sind, ihre Interessen hintanzustellen.“

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