Die Steuer-Wahrheit: Was Sie sparen, was Sie zahlen

Hauptgewinner sind kinderreiche Alleinverdiener, Leistungsträger schauen durch die Finger. Senkung der Körperschaftsteuer stärkt den Standort - Lohnnebenkosten bleiben hoch. Bagatellsteuern: Die von Grasser angekündigte Entrümpelung des Steuersystems fällt flach.

Richard Berger kann sich der Euphorie über die Steuerreform nicht anschließen. Der 42-jährige Wiener ist leitender Angestellter bei einem heimischen Markenartikelhersteller – und verdient monatlich 5.200 Euro brutto. Er wird mit Beginn des nächsten Jahres, so hat er nachgerechnet, monatlich 13,78 Euro netto mehr auf seinem Gehaltszettel finden. Dafür bekommt er bereits seit Anfang des Jahres 2004 durch die Erhöhung der Sozialversicherungsbeiträge und die Anhebung der Höchstbemessungsgrundlage 13,12 Euro weniger ausgezahlt. Unterm Strich wird Richard Berger, per Regierungsdefinition ein „Leistungsträger“, nächstes Jahr monatlich ganze 66 Cent mehr verdienen. Die noch offene Erhöhung der Sozialversicherung für 2005 ist da noch gar nicht einberechnet.

Der „kleine Mann“ hat mehr zu lachen. So bekommt zum Beispiel ein Arbeitnehmer mit einem Monatsgehalt von 1.200 Euro brutto ab Jänner 2005 52,65 Euro pro Monat beziehungsweise 631,80 Euro im Jahr mehr ausgezahlt als im Jahr 2003 (siehe Grafik rechts). Sollte es sich um einen Alleinverdiener mit drei Kindern handeln, könnte er sogar fast tausend Euro im Jahr zusätzlich einstreifen.

Größte Steuerreform aller Zeiten oder Verschleudern von Steuergeld? Seit Freitag vergangener Woche liegt die „größte Steuerreform der Zweiten Republik“ (Karl-Heinz Grasser) auf dem Tisch. Die Lohn- und Einkommensteuerzahler werden um insgesamt 1,1 Milliarden Euro entlastet, kinderreiche Alleinverdiener finanziell unterstützt und die Körperschaftsteuer von 34 auf 25 Prozent gesenkt.

Die Regierung spricht von einem „großen Wurf“, einem „Jahrhundertwerk“ und einer einfachen Steuerformel, mit der sich jeder seine Steuer „auf einem Bierdeckel“ ausrechnen kann.

Opposition und Gewerkschaft toben. Die Reform sei ein „Hinausschleudern von Steuergeldern“ (die Grünen), „zu spät, inhuman, unsozial und wirtschaftsfeindlich“ (SPÖ) und „kein Impuls für mehr Beschäftigung“ (ÖGB).

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