Die Stars an der Börse: Österreichische Börsenunternehmen im FORMAT-Check

In welchen Unternehmen wird Wert geschaffen, und wo wird das Geld der Aktionäre vernichtet? Österreichs härtester Bilanztest zeigt, welche börsennotierten Konzerne mit ihren Strategien nachhaltig erfolgreich sind.

In 4.000 Meter Tiefe fräst sich der Bohrkopf zentimetergenau gesteuert durch das Gestein, schwenkt um ei­nige Grade nach links und gräbt sich leicht schräg weiter durch Millionen Jahre alte geologische Schichten. Mit Gestängen aus antimagnetischen Stahl­legierungen, die die feine Funksteuerung nicht stören, und ausgefeilten Stellmotoren suchen Milliardenkonzerne nach dem derzeit wohl begehrtesten Rohstoff: Erdöl. Die dafür eingesetzte Hightech kommt immer häufiger aus Österreich. Genau genommen aus Ternitz in Niederösterreich. Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment (SBO) ist einer der weltweit führenden Ausrüster für Ölproduktion und Exploration. Und SBO ist der klare Sieger im heurigen FORMAT-Shareholder-Value-Test.

Konzerne im Härtetest. Zum mittlerweile zehnten Mal hat das Beratungsunternehmen Contrast Management-Consulting exklusiv für FORMAT die Bilanzen der börsennotierten, österreichischen Unternehmen durchforstet, um anhand von Zahlen und Fakten die Spreu vom Weizen zu trennen. Anhand von Kennzahlen wie Ei­genkapitalrendite, relative Steigerung des Unternehmenswerts (Return Spread) oder Wachstum von Umsatz und Anlagevermögen zeigt sich deutlich, in welchen Konzernen umsichtig und profitabel gemanagt wird und wo das Vermögen der Aktionäre vernichtet wird. Neben der Rangliste für die Bilanz 2007 und dem traditionellen Dreijahresranking war heuer erstmals auch ein Zehnjahresvergleich möglich, in dem die Meister des unternehmerischen Marathons gekürt werden – und der ebenfalls von SBO gewonnen wurde.

Doch diese aufwendigen Kalkulationen sind nicht bloß eine akademische Übung für Bilanzfetischisten. Die bewährte Arbeit der Controlling-Spezialisten ist für An­leger von höchster Relevanz. Denn jene Unternehmen, die im FORMAT-Test auf den Spitzenplätzen landen, liegen auch in ihrer langfristigen Kursperformance klar voran. Contrast-Chef Werner Hoffmann gießt diesen Vorsprung in Zahlen: „Die Top-Ten-Unternehmen der vergangenen drei Jahre brachten zwischen 2005 und 2007 eine durchschnittliche Anlegerrendite von 47 Prozent, während der Median bei nur 13 Prozent liegt.“ Bei den zehn Letzten im Ranking stieg der Investor trotz der vergangenen guten Börsenjahre sogar mit einem leichten Verlust aus.

Die Kriterien des Erfolges. Doch was zeichnet erfolgreiche Unternehmen aus? Was unterscheidet sie vom Durchschnitt beziehungsweise den Börsennieten? Für SBO-Chef Gerald Grohmann ist eine klare Unternehmensstrategie die Basis für jeden Erfolg: „Man muss die Geschäftsfelder definieren und sich darüber im Klaren sein, wo man hin will. Dann kann man die Veränderungen des Umfeldes gedanklich leichter vorwegnehmen und darauf reagieren.“ So hat SBO schon im Jahr 2004 150 Millionen Euro antizyklisch in den Aufbau für Kapazitäten investiert – immerhin 40 Prozent vom Umsatz. Grohmann: „Als wir damals den Ölverbrauch Chinas gesehen haben, war uns klar, dass die Explorationstätigkeit zunehmen muss. Immerhin sind 70 Prozent der produzierenden Ölfelder älter als 30 Jahre.“ Klare Zielvorgaben sind auch für den Vorstandsvorsitzenden des Kran- und Logistikunternehmens Palfinger, Wolfgang Anzengruber (3. Platz im Einjahresranking), Grundlage für profitables Wachstum: „Jede In­vestition beziehungsweise Akquisition wird nach drei strategischen Ausrichtungen geprüft: Innovation, Internationalisierung und Diversifikation. In zumindest einem dieser Kriterien muss sie uns wesentlich weiterbringen. Ist das der Fall, dann erst beginnen Kalkulationen den Preis betreffend.“ Ein Musterbeispiel für langfristige Strategien ist auch der Ölmulti OMV (2. Platz über zehn Jahre). Das Ziel, das bestimmende Petro-Unternehmen in Mitteleuropa und dem Donauraum zu formen, wird seit Jahren beharrlich verfolgt. Konzernchef Wolfgang Ruttenstorfer treibt die Internationalisierung und die Ausweitung der Förderkapazitäten weiter voran, was nicht zuletzt in der Übernahme der rumänischen Petrom seinen Niederschlag fand.

Das Quartal ist ganz egal. Eine weitere Gemeinsamkeit der Top-Unternehmen ist, dass sie langfristig operieren und sich nicht um das kurzfristige Auf und Ab des Aktienkurses kümmern. Am pointiertesten formuliert das Semperit-Boss Rainer Zellner (3. Platz über zehn Jahre), der 18 Rekordergebnisse in Folge vorgelegt hat: „Ich pfeif auf die Börsenanalysten, und einzelne Quartalsergebnisse interessieren mich überhaupt nicht. Wir machen das, was für die nachhaltige Stärkung des Unternehmens am besten ist, und das schlägt sich über kurz oder lang ohnehin im Ak­tien­kurs nieder.“ Jahre statt Monate sind auch der Betrachtungshorizont für Wolfgang Auer von Welsbach, Chef der AvW Invest (2. Platz im Einjahresranking). Die Erträge aus dem Kerngeschäft, der Finanzdienstleistung, werden in Beteiligungen an unterbewerteten Firmen, bevorzugt aus dem IT-Bereich, investiert. „Wir suchen sorgfältig nach Unternehmen mit hoher Substanz, wissen aber, dass es auch Jahre dauern kann, bis sich das auszahlt“, erklärt der Kärntner, „da wir keine Kredite haben, geraten wir jedoch nie unter Druck.“

Was die Top-Manager wiederholt be­tonen, ist die Bedeutung von Technologieführerschaft und Kosteneffizienz. Der CEO von Frauenthal, Michael Ostermann (2. Platz über drei Jahre), spricht von einer internen Kultur von Innovation. Der Zulieferer für die Lkw-Industrie stellt Bremsdruckbehälter, Aufhängungskomponenten und besonders effiziente Keramikkatalysatoren her. „Wir haben neun unserer 14 Werke in Hochlohnländern“, so Ostermann, „da müssen sie mit der besseren Technologie überzeugen.“ Und die will trotzdem kostengünstig hergestellt sein, wie der Chef des Anlagenbauers Andritz, Wolfgang Leitner, Sieger im Dreijahresranking, hervorhebt: „Natürlich muss der Kunde unsere Technologie bevorzugen. Aber deswegen können wir uns preislich nicht weit von den Mitbietern wegbewegen. Der Auftraggeber hat ein Budget und sich ja vielfach auch vor anderen zu verantworten.“ Deswegen ist die ständige Su­che nach Effizienzpotenzialen die nie en­dende Herausforderung für gute Manager.

Profite jenseits der Grenzen. Eine wichtige Voraussetzung, um ganz vorn mit dabei zu sein, ist intelligente Internationalisierung. So lassen sich auch konjunkturelle Dellen leichter abfedern, wie Palfinger-Chef Anzengruber bestätigt: „In Europa ist das Umfeld derzeit etwas schwieriger, dafür boomt Südamerika. Wenn man mehrere Standbeine hat, gibt das entsprechende Sicherheit.“ Auch Contrast-Experte Hoffmann hebt diesen Aspekt hervor: „Alle Unternehmen auf Spitzenplätzen zeichnen sich durch eine erfolgreiche Expansion ins Ausland, meist in den CEE-Raum, aus.“ Wer das dagegen versäumt hat, fällt unweigerlich zurück.

Der vielleicht wichtigste Faktor auf dem Weg zum unternehmerischen Erfolg bleibt jedoch der menschliche. Ob SBO, Andritz, Semperit oder Palfinger – kein CEO, der nicht die Leistung des Teams in den ­Vordergrund rückt. „Shareholder-Value entsteht sicherlich nicht dadurch, dass ich möglichst viele Leute abbaue“, bringt es voestalpine-General Wolfgang Eder (3. Platz über drei Jahre) auf den Punkt, „vielmehr ist die Qualität und Entwicklung von Mitarbeitern und Management die Grundlage für langfristigen Er­folg.“ Das wird letztendlich auch durch den Shareholder-Value-Test bestätigt. Contrast-Chef Werner Hoffmann: „Es ist nachweislich so, dass die Top-Unternehmen in unserer Unter­suchung überproportional viele neue Jobs schaffen, während die letztplatzierten Konzerne Arbeitsplätze abbauen.“ Dementsprechend gering sind auch die Zukunftsängste bei den Managern der Top-Unternehmen. Trotz der nachlassenden Konjunktur sind sie durchgehend optimis­tisch für das laufende Jahr. Es wäre daher kaum verwunderlich, wenn der Sieger im FORMAT-Sharehoder-Value-Test 2009 unter den Top-Platzierten des heurigen Jahres zu finden wäre.

Von Stephan Klasmann

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