Die Schurkendiplomatie: Haider und Saddam

Die Milliardendeals des Kärntners mit dem Irak entpuppen sich als orientalische Märchen. Die Trips zum Diktator organisiert ein dubioser Geschäftsmann, den das Innenministerium im Visier hat.

Den ersten Tritt bekam George Bush senior voll ins Gesicht. Jörg Haider, Landeshauptmann von Kärnten, kannte den Weg bereits, als er Montag früh das Hotel Al-Rashid verließ.

Saddam Hussein ergebene Architekten haben am Fußboden des einzigen Fünf-Sterne-Hotels der irakischen Hauptstadt Bagdad ein großes Mosaik des einstigen US-Präsidenten anbringen lassen (Aufschrift: „Bush ist ein Krimineller“), damit jeder Gast gleich weiß, was der irakische Diktator vom Altpräsidenten hält.

Das Al-Rashid ist inzwischen Jörg Haiders Lieblingshotel in Bagdad. Dreimal ist er in den vergangenen zehn Monaten mitsamt Entourage hier abgestiegen.

Cohiba-Diktator
Gehüllt in staatstragend dunkles Tuch, ging es diesmal in einer schwarzen Limousine auf geheimem Weg zum irakischen Staatspräsidenten. Fünfmal mußte Haider das Auto wechseln, selbst die Begleiter wurden mehrmals ausgetauscht.

In einem seiner kleineren Paläste empfing ihn schließlich exakt jener Mann, dem Haider heuer bereits am zwölften Februar zum erstenmal die Hand geschüttelt hatte: Jener Mann, von dem Jörg Haider weiterhin annimmt, daß er der Herrscher aller Iraker ist, den der deutsche Gerichtsmediziner Dieter Buhmann nach einer FORMAT-Enthüllung nun aber bereits zum zweitenmal als das „beste Double“ des Diktators identifizierte.

Dieser Saddam Hussein war am Montag jedenfalls blendend gelaunt. Die Amerikaner würden ihre Angriffe auf den Irak ja nur „im Auftrag der zionistischen Auftraggeber“ planen, schwadronierte er. Und auch der Gast aus Kärnten wußte nach dem Sechzig-Minuten-Plausch nur Gutes über seinen neuen Freund zu berichten. Auf die Frage, ob der Iraker wirklich so blutrünstig regiere, habe der nur gelacht und eine Schnurre erzählt: „Ja,“ schmunzelt Haider, habe Saddam geantwortet, „wenn er und sein Vize Tarek Aziz bei Sitzungen kubanische Cohibas rauchen, müssen die anderen auch alle mitrauchen.“ Der Handshake zwischen Jörg Haider und Saddam bildete den Höhepunkt eines Trips an den Tigris, den der Kärntner Landesvater eigentlich zur Unterstützung von fünfzehn österreichischen Betrieben absolviert hatte, die an der Industriemesse in Bagdad teilnehmen.

Als Haider wieder die klapprige Boeing 707 der Air Gulf Falcon bestieg – Saddam Hussein hatte die Maschine extra vier Stunden am Flughafen auf den Landeshauptmann warten lassen–, hatte er das Gefühl, Großes geleistet zu haben: Er habe, so proklamierte er vor der ORF-Kamera, Milliardenaufträge für die österreichische Wirtschaft an Land gezogen.

Blutiger Tlass
In Wien angekommen, gab er sich noch euphorischer: Durch sein Gespräch mit Saddam Hussein sei ihm „ein entscheidender Schritt gelungen, um einen Krieg der USA gegen den Irak zu verhindern“. Stolz ließ er verlautbaren, bei der Hinreise in Damaskus sogar Syriens Verteidigungsminister Mustafa Tlass getroffen zu haben. Tlass verfaßte unter anderem den in der arabischen Welt verbreiteten antisemitischen Bestseller „Die Matzen von Zion“. In dem Pamphlet soll belegt werden, daß Juden Christen umgebracht hätten, um mit dem Blut das traditionelle Mazzes-Brot zuzubereiten.

In Wahrheit entpuppt sich die „private“ Reisediplomatie des Ex-Parteichefs jedoch als obskurer Publicitygag. Ex-FPÖ-Generalsekretär Peter Sichrovsky: „Haider reduziert sich zu einem Postboten Saddams“.

Autoren: Hannes Reichmann, Martin Staudinger, Klaus Zellhofer

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Außerdem:

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  • Peter Sichrovsky über Haider und Hussein

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