Die abgesagte Revolution

Der Parteitag: Am Sonntag wählt die FPÖ den neuen Obmann. Favorit ist Herbert Haupt, eine Überraschung ist möglich. Die Fraktionen: Die Gegner des Haider/Haupt-Kurses stellen Bedingungen und drohen mit Streichungen für Haupt. Die kaputte Partei: Wie auch immer der Parteitag ausgeht: Die FPÖ ist intern schwer zerstritten und finanziell am Boden.

Herbert Haupt ist sich seiner Sache sicher. Der Sozialminister geht felsenfest davon aus, am kommenden Sonntag mit überwältigender Mehrheit zum neuen FPÖ-Chef gewählt zu werden. Im Salzburger Messezentrum versammeln sich ab 10.30 Uhr etwa 700 Delegierte, die nach Wiener Neustadt im Juni (Susanne Riess-Passer) und Oberwart im September (Mathias Reichhold) bereits zum drittenmal innerhalb von sechs Monaten einen neuen Obmann wählen müssen. Haupts Optimismus dürfte begründet sein, die Wahl scheint gesichert. Ob das Ergebnis überwältigend sein wird, bleibt abzuwarten.

Die Kür des Tierarztes
Die wahrscheinlich friktionsfreie Kür des Kärntner Tierarztes zum offiziellen blauen Chef hat jedoch weniger mit den tollen Fähigkeiten des Ministers zu tun als mit dem – vorläufigen – Rückzug potentieller Gegenspieler. Bis zuletzt hatte eine Gruppe um den ehemaligen FPÖ-Klubobmann Norbert Gugerbauer versucht, eine chancenreiche Gegenkandidatur auf die Beine zu stellen. Erfolglos. Die Revolutionäre strichen Anfang der Woche die Segel. „Die FPÖ“, sagt Rechtsanwalt Gugerbauer, „ist noch nicht soweit, daß sie sich wirklich von der Person des Kärntner Landeshauptmanns inhaltlich und auch personell emanzipiert.“

Dabei wäre Gugerbauer selbst bereit gewesen, in den Ring zu steigen. Sein Lieblingsgegner: Jörg Haider. Nur der Kärntner Landeshauptmann hätte dem Duell um die künftige Vorherrschaft in der FPÖ die nötige Polarisierungdynamik gegeben. Durch das Antreten des kumpelhaft-schrulligen Haupt tun sich selbst die schärfsten Gegner des aktuellen Kurses schwer, mit der notwendigen Härte vorzugehen. „Gegen Haupt“, sagt ein Revolutionär, „wäre es für Gugerbauer schwerer gewesen, gegen Haider hätte er deutlich gewonnen.“ Nachsatz: „Aber der Haider ist einfach zu feig.“

Die Öffentlichkeit muß auf den Showdown verzichten, geboten wird nun die aus heutiger Sicht weniger spektakuläre Aufführung eines durchschnittlichen FPÖ-Sonderparteitags.

Dabei könnte es durchaus noch spannend werden. Bis zur letzten Minute versuchen die Revoluzzer eine Reihe von Bedingungen durchzubringen. Ohne diese könne eine ruhige Abwicklung des Parteitags nämlich nicht garantiert werden. Um eine seriöse Chance auf die Fortsetzung von Schwarz-Blau zu wahren, so Vertreter der Anti-Haider-Gruppe, werde Herbert Haupt um klare personalpolitische Signale nicht herumkommen. Soll heißen: Der neue Obmann muß neue Stellvertreter präsentieren und in Salzburg zur Wahl stellen. „Mit Prinzhorn, Bleckmann und Walch wird es nicht gehen“, ergänzt ein hochrangiger Funktionär aus Oberösterreich.

Die Gegner
Die Haider/Haupt-Gegner kommen aus allen Teilen der Partei. Die Europaparlamentarier um Daniela Raschhofer sind ebenso kampfesmutig wie die Landesobleute Hubert Gorbach (Vorarlberg) oder Wilfried Tilg (Tirol). Offen gegen die Parteiführung macht auch Max Hofmann, Nationalratsabgeordneter und Chef des Rings Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW), mobil. Widerstandsnester gibt es in Wien ebenso wie in der Steiermark, Niederösterreich und vor allem Oberösterreich. Burgenlands Obmann Stefan Salzl, ebenfalls höchst unzufrieden, hält sich nach außen zurück: Er hat mit Herbert Haupt Veterinärmedizin studiert.

Klaus Dutzler, Holger Fürst

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Außerdem:

  • Die Delegierten der FPÖ: Wer am Wochenende den neuen Obmann wählen darf
  • Haupt: "Urabstimmung ist sicher denkbar"
  • Prinzhorn: "Konflikte löst man weder durch Exzesse noch durch Amnestie"
  • Haider-Porträt: Der Weltschmerz vom Wörthersee

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