Die Regal Schlacht der Billa Bosse

Neue Turbulenzen um Österreichs mächtigsten Handelskonzern: Nach der Wettbewerbsbehörde prüfen nun Gebietskrankenkassen und Finanz den Vorwurf schwarzer Kassen. Der Machtkampf zwischen den Billa-Bossen Veit Schalle und Wolfgang Wimmer eskaliert.

Am Montag wurde im Büro von Günter Hagmann, Abteilungsleiter der Niederösterreichischen Gebietskrankenkasse (NÖGKK), nach einer vielstündigen Sitzung eine Entscheidung von erheblicher Tragweite getroffen. Geleitet von der NÖGKK, schwärmte bereits in den darauffolgenden Tagen ein Geschwader aus Beamten der Gebietskrankenkassen und der Finanz in ganz Österreich aus, um nach brisanten Belegen zu fahnden.
Das Zielobjekt der Ermittler: Rewe Austria, mit 1.762 Billa-Filialen Österreichs mächtigster Handelskonzern, der es mit über 48.000 Mitarbeitern und
den Marken Mondo, Merkur, Emma und ITS im Vorjahr auf einen Umsatz von
7,7 Milliarden Euro brachte.

Ausgelöst hatte die Riesenaktion eine „ZiB 2“-Story der vergangenen Woche, wonach der Handelsriese (der Marktanteil von 30 Prozent in Österreich ist europaweit Spitze) Mehrarbeit seines Personals durch so genannte „Aushilfslöhne“ bar auf die Hand bezahle – und damit Sozialabgaben und Steuern hinterziehe. Erboste Reaktion von Rewe-General Veit Schalle: „Solche schwarzen Kassen gibt es nicht. Das widerspricht unseren Konzernrichtlinien und ist somit verboten.“
Noch bevor auch nur ansatzweise
klar ist, wie schmerzhaft die Folgen der Ermittlungen gegen Billa wirklich ausfallen werden, steht allerdings fest: Das vom legendären einstigen Jazzpianisten Karl Wlaschek gegründete Handelsimperium wird im 51. Jahr seines Bestehens von einer veritablen Krise erschüttert.
Die Pechsträhne nahm im Juni ihren Lauf, als Walter Barfuß, Chef der Wettbewerbsbehörde, gegen Billa Ermittlungen wegen des Verdachts auf Missbrauch der Marktmacht einleitete. Der zentrale Vorwurf: Lieferanten würden Preisdiktate aufgebrummt, wer sich dagegen wehre, fliege aus den Regalen.
Jüngstes Beispiel: Wiesbauer purzelte mit seiner Extrawurst aus den Billa-Regalen, weil der Wursthersteller eine Preiserhöhung von drei Prozent gefordert hatte (die Schweinepreise waren zuvor um 40 Prozent gestiegen). Zudem hat ein Brau- Union-Vorstand gegenüber den Wettbewerbshütern offen über seit Jahren gängige Praktiken geplaudert.

Dass die Nerven in der Top-Etage des erfolgsverwöhnten Konzerns blank liegen, beweist ein hinter den Kulissen erbittert geführter Machtkampf zwischen den beiden Langzeit-Chefs Veit Schalle und Wolfgang Wimmer.
Konsequenz des Infights: Der neue Rewe-General Dieter Berninghaus – anders als Hans Reischl, sein Vorgänger
in der Kölner Konzernzentrale, kein deklarierter Österreich-Fan – erhöhte den Druck auf die Ösis, worauf kürzlich zwei Spitzenmanager bei Merkur degradiert oder gefeuert wurden.
Während sich der schon traditionelle Konkurrenzkampf zwischen dem bei Rewe Austria für Billa zuständigen Wolfgang Wimmer, 62, und Rewe-Österreich-Chef Veit Schalle, 61, zuspitzt, erhob ein Ex-Manager der kleinen Rewe-Austria-Tochter Emma in der Vorwoche für Wimmer überaus unangenehme Vorwürfe: Man habe ihn gezwungen, so gab der Mann vor laufenden „ZiB 2“-Kameras zu Protokoll, Löhne schwarz auszuzahlen – und habe ihn nach seiner Weigerung im Jahr 2002 gefeuert. Doch er klagte auf rund 150.000 Euro und wehrte sich gegen die Beschuldigung, er habe die illegalen Aushilfslöhne selber in die Tasche gesteckt.
Gegen den von der Arbeiterkammer vertretenen Ex-Prokuristen ließ Billa-Boss Wimmer die Zeugenaussage einer Mitarbeiterin auffahren, mit der diese den Geldklau bestätigte. Bei der ersten Einvernahme gab die Frau dann aber zu Protokoll: „Die Herren (gemeint sind Rewe- Austria-Manager, Anm.) haben mir so lange keine Ruhe gelassen, bis ich diese Zeilen unterschrieben habe.“ Schließlich versuchte Wolfgang Wimmer persönlich bei seiner kürzlich erfolgten Einvernahme (Aktenzahl GZ B1 1566/04), die Causa noch zu retten: „Wir haben die Frau nicht unter Druck gesetzt.“

Für Hans Trenner, Leiter der Abteilung Rechtsschutz der Wiener Arbeiterkammer, ist sonnenklar: „Es macht für den Billa-Konzern keinen Sinn mehr, etwas abzustreiten, was sich nicht mehr abstreiten lässt.“ Für Trenner, der allein rund 30 ehemalige Mitarbeiter des Billa-Konzerns in Gerichtsprozessen gegen ihren ehemaligen Arbeitgeber vertritt, ist es ein Skandal, „dass Billa seinen Mitarbeitern ein System nicht bezahlter Überstunden zumutet. Bei Konkurrenten wie Spar oder Hofer ist das aus meiner jahrelangen Erfahrung kein großes Problem.“
Manfred Wolf, für den Handel zuständiger Sekretär bei der Gewerkschaft der Privatangestellten (GPA), assistiert: „Das sind die Auswüchse eines perfiden Systems, das jetzt aufbricht. Die Kostenvorgaben stammen von Schreibtischtätern in den Konzernzentralen.“
Rewe-Austria-Chef Veit Schalle beteuert indes, man dürfe aus möglichen Einzelfällen nicht schließen, „dass dies bei uns die Regel oder gar Methode ist“. Ansonsten verweist das Billa-Management darauf, zu laufenden Verfahren keine Stellungnahmen abzugeben. Generell seien die Vorwürfe aber falsch.

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