Die Rebellion der Ghettos: Europa ist zum sozialen und ethnischen Pulverfass geworden

Einwanderer-Kids setzen seit zwei Wochen die französischen Vorstädte in Brand. Europa ist zum sozialen und ethnischen Pulverfass geworden.

Eine gefährliche Ruhe liegt am Mittwoch, am 14. Tag der Ausschreitungen in Frankreichs Vorstädten, über der Pariser Banlieue Seine-Saint-Denis. Die erste Nacht, in der das Notstandsgesetz galt, ist vorüber. Trotzdem haben landesweit über 600 Autos gebrannt, 6.600 sind es damit bisher. Ein Linienbus explodierte, Bibliotheken und Schulen wurden angezündet. Zugleich nehmen die Verhaftungen zu, sie werden jetzt im Schnelldurchgang durchgezogen, 400 in der letzten Nacht. Wer unter 16 Jahre alt und jetzt noch auf der Straße ist, wird zu seinen Eltern gebracht, die Strafe zahlen müssen. Wer über 16 ist und verdächtig aussieht, landet in Polizeigewahrsam. 9.000 zusätzliche Polizisten patrouillieren in den Banlieues. Das Kriegsgesetz, das 1955 die Niederschlagung der Aufstände der Algerier gegen die Kolonialmacht Frankreich erlaubte, wurde wieder ausgegraben und soll jetzt für Ruhe bei deren Enkeln sorgen. Ein gefährliches Signal.

Mit den Unruhen in Frankreichs Vorstädten haben sich die ins Rampenlicht gerückt, die dort normalerweise keinen Platz haben: die Kinder und Enkel der afrikanischen und maghrebinischen Einwanderer, in Frankreich geboren und doch nie zu Franzosen geworden. Europa reagiert hilflos auf die plötzliche Welle der Gewalt, und jeder nützt die Aufregung für seine eigenen politischen Ziele: Innenminister Nicolas Sarkozy setzt auf Repression und meint, er selbst sei – wegen seiner Verstärkung der Polizeipräsenz – der Urheber der Unruhen, die er für mehr Law and Order auch in Kauf nimmt. Ausgelöst hat er damit einen Flächenbrand. EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner sieht ein Ausländer- und Asylproblem und plädiert für mehr Entwicklungshilfe für Afrika – was die Wut der durchwegs französischen Randalierer nur sehr bedingt dämpfen dürfte. Andere wollen ein Islam-Problem in den Aufständen sehen und imaginieren Al-Qaida-Drahtzieher hinter den Jugendlichen: Das „Time“-Magazin titelt mit „Generation Dschihad“, der Spiegel sieht eine „französische Intifada.“

Dabei ist es viel einfacher: Der Aufstand ist eine Rebellion der Verlierer. Und der Rest von Europa hat allen Grund, nervös zu werden. Denn Ghettos, in denen muslimische Jugendliche zweiter und dritter Generation ohne Perspektiven und ohne Chancen Wut anhäufen, gibt es in fast allen europäischen Ländern.

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