Die Opferliste: FORMAT zeigt Österreicher, die Fordungen an die Lehman-Bank stellen

Rund 700 Österreicher haben im Zuge der Pleite der US-Investmentbank Lehman Geld verloren und nun Forderungen in den USA angemeldet.

„Für uns war es der erste Ausfall einer Unternehmensanleihe seit 18 Jahren“, sagt Friedrich Badhofer, Leiter der Wohlfahrtskasse der Ärztekammer für Oberösterreich. Daher sei der Verlust, der durch die Pleite der US-Bank Lehman Brothers entstanden ist, für die Pensionskasse der oberösterreichischen Ärzte überhaupt kein Problem. Doch um eventuell aus der Konkursmasse noch berücksich­tigt zu werden, hat die Ärztekammer eine Forderung an Lehman in Höhe von knapp 4,4 Millionen Dollar in den USA angemeldet. Und ist damit nicht allein. Auf der Homepage des US-Forderungsverwalters Epiq Systems kann man mit ein paar Mausklicks nachsehen, wer vom Untergang der US-Investmentbank am 15. September 2008 einen direkten Schaden davongetragen hat. Mehr als 80.000 ­Fälle sind dort insgesamt registriert, rund 700 davon mit ­österreichischer Adresse.

Überraschende Opfer
Unter den deutschen Betroffenen findet sich etwa der SAP-Gründer Klaus Tschira, der gerne wieder seine 977 Millionen Dollar zurückhaben würde, die er durch die Insolvenz verloren hat. Tschira wollte mit Lehman-Papieren 2007 sein Paket aus SAP-Aktien gegen Kursverlust absichern. Zu entdecken ist aber auch das kleine ­Zentrum für Berufsplanung der Wiener Wirtschaftsuniversität (siehe Liste ) , das noch eine Rechnung über 1.200 Dollar mit Lehman offen hat: Vertreter der Investmentbank hätten sich eigentlich auf der WU als interessanter Arbeitgeber darstellen wollen, durch die Insolvenz fiel der Termin ins Wasser. Zu anderen österreichischen Lehman-Opfern zählen etwa die Sportunion Niederösterreich, die Marktgemeinde Altenmarkt an der Triesting in Niederösterreich, die Zentralanstalt für Meteorologie oder das Stift Klosterneuburg. „Wir hatten ein paar Lehman-Papiere bei uns im Depot“, sagt Sprecher Peter Schubert.

Finanzbranche will eine Milliarde
Nicht alle, die eine Forderung an Lehman haben, müssen auch den Schaden selbst tragen. Zum Teil gibt es Kapitalgarantien der vermittelnden Banken, zum Teil andere Absicherungen. Und nicht alle, die jetzt zu den Gläubigern zählen, haben mit Lehman-Papieren spekuliert: Die Hilfs­­organisation Concordia, die von Pater Sporschill ins Leben gerufen wurde, beispielsweise hat eine Erbschaft gemacht, die auch ein Lehman-Investment enthielt. Besonders hohe Forderungen angemeldet hat – wenig überraschend – die Finanzbranche (siehe Teil 1 und Teil 2 der Banken- und Versicherungsliste) . Zählt man allein die Ansprüche der Österreicher zusammen, kommt man laut Epiq auf einen Betrag von knapp einer Milliarde Dollar. Diese Summe ist von den Banken und Versicherungen mittlerweile fast vollständig abgeschrieben worden, auch die Größenordnung war ­ungefähr bekannt. Aber nicht, wie sich die Forderungen genau auf die einzelnen Ins­titute aufteilen, wobei die Liste Tag für Tag länger wird.

Wenig Hoffnung für Betroffene
„Ich glaub nicht, dass wirklich Geld zurückkommt“, sagt Badhofer von der Ärztekammer. Darauf deuten auch die Quoten hin, mit denen die Lehman-Forderungen gehandelt werden: So erhalten Verkäufer von Forderungen an die Lehman-Mutter gerade einmal 13 Prozent des Nominalwertes. Und es wird Jahre dauern, bis das Verfahren abgeschlossen ist, denn der Insolvenzverwalter der Bank, Harvey Miller, rechnet mit Forderungen in Höhe von mehr als einer Billion Dollar.

Miriam Koch

DSGVO - Datenschutz-Verordnung 2018

DSGVO: Daten-Auskunftsbegehren richtig erfüllen

Andrea Jelinek, Leiterin der Datenschutzbehörde: "Die Zahl der Beschwerden hat sich mehr als verdreifacht."

DSGVO - Datenschutz-Verordnung 2018

100 Tage DSGVO: Das neue Recht und seine Folgen

Vier Hightech-Millionäre aus Österreich: Bernd Greifeneder, Johannes Kührer, Armin Strbac und Katharina Klausberger

Selfmade-Internet-Millionäre

Österreichs Hightech-Stars: Die neue Tech-Elite