Die Ölpreis Panik

Neue Höchstpreise für Rohöl treiben die Spritpreise an den Zapfsäulen in die Höhe. Experten sorgen sich jetzt auch um die Konjunktur, wenn Öl so teuer bleibt.

Letztlich erreichten die Ausläufer des tropischen Wirbelsturms „Jeanne“, der vergangene Woche eine Spur der Verwüstung durch die Karibik und Florida zog, auch noch Österreich: An den Zapfsäulen der heimischen Tankstellen zogen die Spritpreise wieder einmal um drei Cent pro Liter an. Für den Zusammenhang zwischen der karibischen Naturkatastrophe und dem heimischen Preissprung sorgten die internationalen Rohölmärkte. Weil „Jeanne“ auch die Ölförderung im Golf von Mexiko zum Erliegen brachte, trieben nervöse US-Ölbroker den Preis für die wichtigste amerikanische Rohölsorte WTI rasant in Richtung der Marke von 50 Dollar pro Barrel (159 Liter).

Als sich am vergangenen Dienstag auch noch Befürchtungen bestätigten, dass die bürgerkriegsähnlichen Unruhen in Nigeria, immerhin siebentgrößter Ölexporteur der Welt, die Förderanlagen und Pipelines beeinträchtigen könnten, waren die Märkte der Panik nahe: Erstmals wurden für ein Barrel texanisches Öl mehr als 50 Dollar bezahlt (s. Chart oben). Tropensturm und Bürgerkrieg waren aber nur die Tropfen, die das Ölfass zum Überlaufen brachten. Andauernde Anschläge im Irak, neue Terrorwarnungen, Unruhen in Venezuela, die Yukos-Krise in Russland und nicht zuletzt die Spekulationen von Hedgefonds, die den nach oben gerichteten Preistrend an den Ölmärkten in den letzten Monaten noch weiter verstärkten, hatten den Boden für den Preisrekord bereitet.

50 Dollar pro Barrel ist auf Dauer ein Konjunkturkiller. Zwar blieben die Preise der für Europa maßgeblichen Rohölsorte Brent und für den sieben Ölsorten umfassenden Opec-Ölkorb unterhalb dieser psychologisch wichtigen Schwelle, stiegen aber ebenfalls auf neue Höchststände. Und damit dürfte das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht sein. Ölexperte Ng Weng Hoong von Energyasia in Singapur: „Die Panik der Endverbraucher zieht die Preise in die Höhe. Nach dem Knacken der 50 Dollar sind nun die 60 Dollar im Visier.“

Dabei befürchten europäische Wirtschaftsforscher schon bei einem Anhalten des Preisniveaus von 50 Dollar schwerwiegende Auswirkungen auf die zaghaft im Aufschwung befindliche Konjunktur. Wifo-Experte Ewald Walterskirchen: „Ein Ölpreis von 40 Dollar dürfte das Wirtschaftswachstum in den Industrieländern nur relativ wenig dämpfen. Bei einem dauerhaften Preis von 50 Dollar besteht dagegen die Gefahr, dass die Börsen absacken und dies den Konjunkturaufschwung stoppt.“

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