Die Milliarden im Skizirkus

Das Topereignis des Winters in Kitzbühel dokumentiert die Attraktivität des Skibusiness für Großsponsoren.

Wenn am Samstag der letzte Rennläufer im weitläufigen Zielraum der Kitzbüheler Streif abschwingt, darf sich der Sieger des Hahnenkammrennens über eine rekordverdächtige Stundengage freuen: Für knapp 120 Sekunden Arbeitszeit kassiert der gute Mann beim Abfahrtsklassiker des Skiweltcups nämlich 55.000 Euro – das mit Abstand höchste Preisgeld der Saison.

Zahlen muss der Veranstalter des zum 64. Mal ausgerichteten Spektakels von Weltrang, der Kitzbüheler Ski-Club (KSC), und das fällt den Funktionären des Tiroler Nobelwintersportortes leicht: Für das verlängerte Rennwochenende sind die 8.000 Betten der 6.000-Seelen-Stadt seit Monaten ausgebucht, die Umsätze erreichen bei bis zu 150.000 Besuchern rund 40 Millionen Euro.

Eine noch gewaltigere Geldlawine gerät hinter den Kulissen der vier Tage währenden Rennveranstaltung in Bewegung. Noch bevor sich der erste Athlet Mausefalle und Hausbergkante hinabstürzt, schnurrt eine perfekt organisierte Maschinerie, die dem „Kitzbuehel downhill“ sogar in Nordamerika Kultstatus beschert hat.

Die Protagonisten des fragilen Gefüges im milliardenschweren Skizirkus: Der von den heimischen Schneekönigen seit Jahren heftig kritisierte Weltskiverband FIS mit seinem Präsidenten Gian Franco Kasper sowie der Österreichische Skiverband (ÖSV) mit dem im 14. Jahr amtierenden Chef Peter Schröcksnadel – flankiert wird das ungleiche Duo von modern denkenden Managern wie Exabfahrtsweltmeister Harti Weirather, der mit seiner Vermarktungsagentur WWP immer mehr Großsponsoren auf die Pisten lockt und das Skispektakel samt Party im vollklimatisierten Pagodenzelt für Geld- und Societyadel attraktiv macht und so auch für Rekordwerte bei den TV-Übertragungen durch den ORF sorgt (siehe Kasten).

Die Champagnerlaune im Monaco der Alpen basiert auf jahrelanger beinharter Arbeit der Zentralfigur des heimischen Skibusiness: ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hat aus einem ehemals provinziell agierenden Funktionärshaufen ein florierendes Unternehmen geformt. Der Erfolg lässt sich mittlerweile auch in Zahlen messen: Im Vergleich zur Amtsübernahme im Jahr 1990 hat der auch im Privatberuf erfolgreiche Unternehmer Schröcksnadel das ÖSV-Budget auf 18 Millionen Euro versechsfacht.

Die Folge: Nachdem es ihm gelang, den Einfluss von Skiindustrie und Landesverbänden erfolgreich einzudämmen, verfügt das Skiteam heute laut einer aktuellen Studie über einen Werbewert von sagenhaften 233 Millionen Euro – der vom ÖSV auch immer erfolgreicher in Cash umgemünzt wird.

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Peter Pelinka

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