Die neue Meinl-Strategie

Julius Meinl V. baut den Konzern um: Der Clanchef geht mit seiner Bank, der Kaffeesparte und den Ostgeschäften neue Wege. Motto: Spaß macht, was Geld verdient.

Der Name Julius ist bei den Meinls sakrosankt. Seit sechs Generationen muss der erstgeborene Sohn und damit der spätere Chef des Unternehmerclans Julius heißen. Umso bemerkenswerter ist die Entscheidung des aktuellen Konzernlenkers Julius Meinl V., einem eher profanen neuen Produkt seines Geldinstituts seinen Vornamen zu verleihen. Die Meinl Bank bringt noch im Herbst die Zukunftsvorsorge „Julius“ auf den Markt, mit der ganz gewöhnliche Österreicher – staatlich gefördert – ihre Privatpension ansparen können.

Besser lässt sich der Wandel der Meinl Bank, der vor einem Jahr behutsam begonnen wurde, nicht ausdrücken: Das Nobelinstitut für vermögende Zeitgenossen öffnet sich den Massenkunden. Der fünfte Julius Meinl, 44, arbeitet emsig daran, auch an das Geld kleinerer Anleger zu kommen. Nach dem Verkauf der Lebensmittelkette, die zwischen 1998 und 2000 sang- und klanglos verschwand, stand der Mohr ohne Hemd da. Nun stellt der Licentiat, wie er nach seinem akademischen Titel aus der Schweiz genannt wird, den Konzern auf neue Beine: Ausweitung des Bankgeschäfts, Expansion der Kaffeeproduktion, Firmenbeteiligungen vor allem in Osteuropa.

Den Meinl-Filialen weint Julius V. keine Träne nach. Der in London und New York ausgebildete Banker managt das Familienvermögen – Schätzungen reichen bis zu einer Milliarde Euro – nach dem Motto „Spaß macht alles, was Geld verdient“. Der gemeinsame Nenner für das verzweigte Meinl-Konglomerat.

Der Mohr, über Generationen Symbol des stolzen Handelsimperiums, kommt zunehmend als Marke für Bankprodukte zu Ehren: als Logo der fürs Retailgeschäft zuständigen Tochter Meinl Success. „Der Mohr hat 83 Prozent Bekanntheit in Österreich. Da macht es Sinn, die Marke einzusetzen“, sagt Meinl. Francis Lustig, Gründer der Investmentfirma Kapital & Wert, hat einen Massenvertrieb für den Privatbankier aufgezogen. Dutzende Finanzberater keilen postalisch und persönlich die Kunden. Den Begriff Keilertruppe hört Meinl nicht gern: „Ich habe zu viel Hochachtung vor diesen Menschen.“

Rendite von Ostimmobilien ködert Anleger. Mit dem European-Land-Fonds, der in Handelsimmobilien in Osteuropa investiert, wandte sich sein Haus vor einem Jahr erstmals an den Normalverbraucher. Die in dieser Woche abgeschlossene Kapitalerhöhung war im Nu platziert. Der Wert des an der Wiener Börse notierten European Land beträgt jetzt 105 Millionen Euro. Die derzeit rund 3.000 Anleger werden laut Lustig „2003 über acht Prozent Rendite“ einfahren. Schon im November kommen neuerlich Aktien für 30 Millionen Euro auf den Markt.

Auf den Geschmack gekommen, legt die Meinl Bank parallel dazu das Zukunftsvorsorgeprodukt „Julius“ auf, das vornehmlich in heimische Aktien investieren wird, und verspricht höhere Renditen als die Konkurrenz. Auch ein neuer, auf Westeuropa spezialisierter Immobilienfonds ist in Vorbereitung.

Eine weniger gute Hand bewies die Gesellschaft bei etlichen früheren Börsengängen wie Hild oder Vogel & Noot, die sich als nicht ganz so erfolgreich erwiesen.

Trotz Öffnung der Bank für das breite Publikum – in seinem persönlichen Stil denkt Julius Meinl V. gar nicht daran, sich dem Massengeschmack anzupassen. Der Mann wuchs in England auf und ist, was wenige wissen, ausschließlich britischer Staatsbürger. Auch seine Lebensart ist very british: unterkühlt und elitär. Nadelstreifanzug und auffällig aus der Jacke gewölbte Krawatte sind seine Markenzeichen.

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PLUS: Das Exklusiv-Interview mit Julius Meinl V.

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