Die Macht der Betriebsräte

Während Personalvertreter in Deutschland unter dem Verdacht der Käuflichkeit stehen, kämpfen sie bei uns eher gegen den Verlust von Einfluss und Privilegien.

Den Termin für den fünfzigsten Geburtstag seines Betriebsratschefs hielt sich ÖBB-General Martin Huber frei. In der Vorwoche folgte Huber der privaten Heurigeneinladung von Jubilar Wilhelm Haberzettl und überreichte eine Magnumflasche feinen französischen Rotweins.

Bis vor wenigen Monaten lag der wortgewaltige Haberzettl, der vielleicht mächtigste Betriebsrat im Land, der auch als künftiger Gewerkschaftspräsident gehandelt wird, noch im Dauerclinch mit Ex-ÖBB-Boss Rüdiger vorm Walde. Jetzt herrscht Frieden. „Wir pflegen ein ausgezeichnetes Verhältnis“, sagt Martin Huber. Eiliger Nachsatz: „Aber damit meine ich keine Verhaberung. Seit Hartz muss man da ja aufpassen.“ Haberzettl spricht von „Handschlagqualität“.

Auch andere Usancen haben sich geändert. Bei der Heurigenrunde meinte Franz Hums, bis 1995 Vorsitzender der Eisenbahnergewerkschaft und danach Sozialminister, scherzhaft zu Huber: „Bei mir hätten Sie sich noch vorstellen kommen müssen, bevor Sie Generaldirektor geworden wären.“

Der Skandal bei Volkswagen rückt wieder einmal die Betriebsräte ins Blickfeld und die Frage, wie sie mit ihrer einflussreichen Position umgehen. Bei VW bedachten Mitarbeiter des zurückgetretenen Personalvorstands Peter Hartz die Mannen um den zurückgetretenen Personalvertretungsboss Klaus Volkert mit üppigen Summen, unter anderem in einschlägigen Nachtlokalen, um sie für harte Verhandlungen milde zu stimmen (siehe VW-Story im neuen FORMAT)

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