Die Kultmarke Smart hat Daimler- Chrysler einen schweren Blechschaden zugefügt.

Christian Forbelsky, Verkaufsleiter im Wiener Smart-Center Donaustadt, zürnt. „DaimlerChrysler hält es offenbar nicht für notwendig, für den ForFour ausreichend zu werben.“ Tatsächlich erweist sich der Viersitzer knapp ein Jahr nach dem Marktstart als Ladenhüter. Dabei hatte Mercedes anlässlich der Präsentation des Autos auf dem Züricher Flughafen 2003 lautstark und selbstbewusst zum Angriff auf die Konkurrenten von VW, Renault und Fiat in der unteren Mittelklasse geblasen.

Jetzt ist die Zukunft der einst so hippen Marke Smart mehr als ungewiss. Der auf Jugendlichkeit getrimmte Stadtflitzer, eine Erfindung des Swatch-Gründers Peter Hajek, ist zum Sanierungsfall geworden. Und nicht nur das: Der Smart hat angesichts der 2,3 Milliarden Euro Gesamtinvestment, von denen immer fraglicher wird, ob sie sich je rechnen werden, wesentlich zur aktuellen Mercedes-Krise beigetragen. Nun droht die Einstellung des Projekts.
Denn bei DaimlerChrysler werden nach dem jüngsten überraschenden Rücktritt des Firmenchefs Jürgen Schrempp die Karten derzeit neu gemischt. Mit Schrempp wird auch dessen enger Vertrauter, Mercedes-Markenchef Eckhard Cordes, den Konzern verlassen. Cordes hatte in der Nachfolgefrage gegen den bisherigen Chrysler-Chef Dieter Zetsche den Kürzeren gezogen.

Schrempp und Cordes hinterlassen mit Mercedes einen Konzern in Nöten, der mit Qualitätsmängeln, Überkapazitäten und überhöhten Produktionskosten immer mehr Kratzer im Lack bekommen hatte. Für den Smart hatte Cordes zuletzt einen Sanierungsplan vorgelegt, eine Einstellung der Kleinwagenmarke schloss er noch aus.
In der neuen Ära könnte es für den Smart nun wirklich eng werden. Denn dem erfahrenen Sanierer Zetsche ist der Kleinwagen keine Herzensangelegenheit mehr – schon allein deshalb, weil Zetsche anders als Schrempp mit einer Produktionseinstellung nicht sein Gesicht verlieren würde. Auch Analysten mögen den Smart nicht. „Es ist offensichtlich, dass Mercedes mit dem Smart nie erfolgreich werden kann“, meint Jürgen Pieper vom deutschen Bankhaus Metzler.

DaimlerChryslers Vorstoß in die Kleinwagenfertigung im Jahr 1998 stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Der Absatz blieb deutlich hinter den Erwartungen zurück, die Fertigungskosten waren zu hoch, und das Ziel der Profitabilität wurde von Jahr zu Jahr verschoben. Auch die Erweiterung der Modellpalette um den Smart Roadster und den viersitzigen ForFour brachte keine Trendwende. „Der erste Smart war noch eine Innovation am Automarkt. Doch die neuen Smart-Modelle weisen kaum Alleinstellungsmerkmale auf und müssen daher mit anderen Marken konkurrieren“, analysiert Ulrich Winzen, Marktforscher bei Polk Systems.

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