Die Koalition der Gewinner: Günter Geyer ('Städtische') & Andreas Treichl ('Erste')

Sie leiten die größten Finanzkonzerne Osteuropas. Die neue Partnerschaft, die Städtische-Boss Günter Geyer und Erste-General Andreas Treichl kürzlich besiegelt haben, beruht nicht zuletzt auf dem guten persönlichen Verhältnis der beiden Konzernbosse.

Die beiden könnten in ihrem äußeren Auftritt unterschiedlicher nicht sein. Da der stets elegante Andreas Treichl, 55, der mit einer Selbstverständlichkeit in den Maßanzug gegossen ist, als wäre er damit schon auf die Welt gekommen. Dort Günter Geyer, 64, den man sich trotz Dreiteiler gerne am Kaminsofa vorstellt, wie er in der Strickweste den Enkeln Geschichten vorliest. Auf der einen Seite der Erste-General, dessen Gesicht so geläufig ist, dass ihn viele grüßen, die er gar nicht kennt, dort der Städtische-Chef, der in den eigenen osteuropäischen Filialen als anonymer Testkäufer auftaucht, ohne dass er bei seinem Mystery-Shopping auffliegt. Als Treichl 1997 seinen Job als Erste-Chef antrat, sprach man von einem Generationswechsel, einem Aufbruch in eine neue Ära. Als Günter Geyer – bereits 58-jährig – 2001 überraschend Nachfolger von Langzeit-General Siegfried Sellitsch wurde, sprach und schrieb man von einer Übergangslösung. Nun könnte es gut sein, dass der Oberösterreicher, dessen Vertrag bis 2011 läuft, nochmals sein eigener Nachfolger wird. Der Grund: durchschlagender Erfolg.

Erstaunliche Gemeinsamkeiten. Und das vereint die beiden Top-Manager, die in ihrer jeweiligen Branche Erstaunliches erreicht haben. Aus lokalen Unternehmen entstanden unter ihrer Führung Konzerne von internationalem Gewicht, die in Zentral- und Osteuropa gegen Konkurrenten wie Allianz oder Deutsche Bank zur Nummer eins geworden sind. Hinter der unterschied­lichen Fassade verbergen sich denn auch erstaunliche Gemeinsamkeiten, die nicht nur das Fundament für eine persönliche Freundschaft sind, sondern auch beste Grundlage für eine enge Kooperation der beiden von ihnen geleiteten Konzerne. In einem 1,4-Milliarden-Deal verkaufte die Erste Bank ihre gesamten Versicherungsaktivitäten an die Vienna Insurance Group, wie sich die Assekuranz als Folge ihrer Internationalisierung nennt. Gleichzeitig vereinbarte man eine gegenseitige Kooperation im Vertrieb im gesamten CEE-Raum, sodass sich die Konzerne in Zukunft in ihrer Expansion noch weiter unterstützen.

Diese Partnerschaft ist einer Ehe nicht unähnlich. Mit einer vereinbarten Laufzeit von 15 Jahren übertrifft sie die Dauer des durchschnittlichen österreichischen Bundes fürs Leben deutlich, in der nervösen Taktfrequenz einer globalisierten Wirtschaft gerechnet, sind es nahezu erdgeschichtliche Zeiträume.

Gegen die Farbenlehre. Doch das ist es nicht allein, was stutzig macht. Schon 2003, als die politisch als „rot“ geltende Versicherung eine erste Kooperation mit der als „schwarz“ punzierten Bank einging, war das Erstaunen – und auch der Zorn einiger SP-Granden – nicht gering. Immerhin waren Treichls Versuche, eine entsprechende Partnerschaft bei Geyer-Vorgänger Sellitsch anzuregen, erfolglos. „Er ließ mich“, so der Erste-Chef, „freundlich, aber bestimmt ausrutschen.“ Doch gegenseitige Sympathie und die Ablehnung politischer Farbenspiele ließen schließlich aus persönlicher Nähe eines der spannendsten Projekte der heimischen Wirtschaft entstehen: einen Allfinanz-Konzern ohne gesellschaftsrechtliche Verschränkung. Gleich und gleich gesellt sich gern? Gegensätze ziehen sich an? Auf Geyer und Treichl trifft wohl beides zu, wie folgendes Interview belegt.

Von Stephan Klasmann

Wirtschaft

Porsche-Holding Chef Schützinger fordert "fairere" Besteuerung

Kommentar

Standpunkte

"Abschottung bedeutet Verzicht auf wichtige Netzwerke"

DSGVO: Mehrheit heimischer Unternehmen ist säumig

Bonität

DSGVO: Mehrheit heimischer Unternehmen ist säumig