Die Klubs der Macht

Es schadet ja nicht, wenn man einen Minister als Klubfreund hat“, bemüht Rudolf Otto sich um Understatement. Der Kunsthändler ist derzeit oberster „Governor“ von rund 150 „Rotary Clubs“ in Ostösterreich, Ungarn und Teilen des Balkans. Er dürfte wissen, wovon er spricht: Sein Klubfreund ist Martin Bartenstein, Wirtschaftsminister.

Bei den „Rotariern“ findet man eine kaum fassbare Konzentration von (Einfluss-)Reichen und Mächtigen. Schlägt man die Mitgliederliste auf, stehen klangvolle Namen wie jener von Albert Hochleitner (Siemens-Boss), Gerhard Randa (BA-CA-Chef) oder Claus Raidl (Stahl-General) allenfalls neben noch klangvolleren – etwa Bill Gates. Im Rotary Club scheinen (beinahe) alle vertreten zu sein, die in der Gesellschaft etwas zu sagen haben: sei es der Papst – oder Armin Assinger. „Besser, Sie fragen, wer nicht Mitglied ist“, scherzt Ober-Rotarier Otto.

Der einzige Klub seiner Art ist Rotary natürlich nicht. Die klassischen Karrierehelferlein à la CV, denen nur angehören kann, wer sich frühzeitig eingliedert, bekamen längst Konkurrenz von einflussreichen Klubs, zu denen man erst im Berufsleben stoßen kann. Vor allem der Lions Club, ähnlich wie Rotary ein global tätiger, karitativer Verein, aber auch die geheimnisumwitterten Freimaurer zählen dazu.

Wie man in den Nobelklubs Mitglied wird. „Das sind äußerst potente Netzwerke“, sagt Roland Bettschart, Autor eines Buchs über „Nobelclubs in Österreich“ (Ueberreuter) und Chef der PR-Agentur B&K. „Sie ermöglichen es dem Einzelnen, mit hochkarätigen Leuten direkt in Kontakt zu treten – und zwar auf einer gemeinsamen Ebene. Das zahlt sich aus. Kontakte sind ja, wie man weiß, die halbe Miete – nicht nur im Geschäftsleben.“ Publico-Chef Wolfgang Rosam, ausgewiesener Networking-Fachmann, ist ähnlicher Auffassung: „Diese Klubs bieten phantastische Möglichkeiten. Als Rotarier kann man zum Beispiel jeden Tag einen anderen rotarischen Klub besuchen, um neue Leute kennen zu lernen – spannende Leute.“

Zunächst gilt es aber, Mitglied zu werden. Das läuft im Prinzip bei allen Klubs gleich: Man kann sich nicht einfach bewerben; ein Klubmitglied muss einen einladen. Also sollte man sich, wenn man irgendwo beitreten möchte, erst einmal umhören, ob im Bekanntenkreis irgendwer irgendwen kennt. So kommt man am ehesten zu einem „Paten“, der einen einschleusen kann. Wenn man dann einige Treffen besucht und sich als „würdig“ erwiesen hat, zum Zirkel zu zählen, stimmen die übrigen Mitglieder über den Aufnahmeantrag ab.

Es empfiehlt sich, zumal bei den ersten Begegnungen, folgende Punkte genau zu beachten: Kein Klub ist dem Selbstverständnis nach ein Karrierenetzwerk. Offensichtliche Networker, die es überhaupt nicht interessiert, dass Rotary weltweit die Kinderlähmung bekämpft, machen sich rasend schnell unbeliebt. „Wer nur an sich selbst denkt, ist vollkommen fehl am Platz in einem Klub, dessen Motto ,We serve‘ lautet“, präzisiert Gerhard Schweiger, Lions-Club-Governor. Weiters könnte es unangebracht sein, den Klubgenossen bereits in den ersten Sitzungen konfessionelle oder politische Thesen an den Kopf zu werfen. Derlei Betrachtungen sind nämlich meist statutarisch aus dem Gesprächsrepertoire der Vereine verbannt.

Die zweite Möglichkeit, einen Fuß in die Klubtür zu zwängen, stellen Vorträge dar: Wer in seinem Fachgebiet etwas zu sagen hat, was eine hochmögende Hörerschaft möglicherweise zum Nachfragen anregt, kann sich – noch ehe er Mitglied ist – um das Gemeinschaftsgeschehen der Runde verdient machen. Beitrittsofferte sind manchmal die Folge. Doch auch zu Vorträgen muss man sich einladen lassen. Dabei gilt der Grundsatz: „Man darf über alles reden, nur nicht über zwanzig Minuten“ (© Bettschart, Rotarier).

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PLUS: Das Interview mit Großmeister Michael Kraus über die Essenz der maurerischen Arbeit und die neue Freundschaft zum bürgerlichen Lager.
PLUS: Der Networking-Experte Wolfgang Rosam über das Kontakteknüpfen in hochkarätigen Vereinen.

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