Die H&M-Story: Wie der Moderiese die Welt erobert

Während andere unter der Konjunkturkrise stöhnen, expandiert Hennes & Mauritz immer schneller – und schreibt Rekordgewinne.

Das Duell unter dem Stephansdom verspricht Spannung: Zuerst übernahm die spanische Modekette Zara mit dem Haas-Haus eine der feinsten Shoppingimmobilien Wiens. Nun setzt der schwedische Textilgigant H&M nach: Dieser Tage will H&M-Österreich-Chefin Claudia Oszwald den Mietvertrag für das Geschäftslokal Braun & Co am Graben unterzeichnen.

Der derzeitige Betreiber des Luxusladens, Palmers, hat seine Mietrechte gegen eine Ablösezahlung an den Hauseigentümer, die Generali Versicherung, zurückgegeben. Nun ist der Weg für den heimischen Modemarktführer H&M frei, der Konkurrenz auch an Wiens erster Adresse zu zeigen, wer der Herr im Haus ist.

Braun & Co, „eines von Europas schönsten Kaufhäusern“ (Oszwald), stellt für H&M keineswegs eine Übergröße dar. Seit die Textilkette 1947 von Erling Persson in Västeras, Schweden, gegründet wurde, erlebt die Firma mit den fast täglich wechselnden Kollektionen und dem richtigen Riecher für die aktuellen Trends einen spektakulären Höhenflug: Mit 5,9 Milliarden Euro Jahresumsatz brachte es H&M hinter dem US-Multi GAP zur Nummer zwei der Welt.

Wurden die Designs ursprünglich von Modezaren wie Armani und Gucci abgekupfert, setzt Chefdesignerin Margareta Van den Bosch jetzt zunehmend selbst die Trends. „Wir holen uns von den internationalen Laufstegen nur noch die Bestätigung dafür, dass wir richtig liegen“, sagt Van den Bosch im FORMAT-Interview. Auf die Art legte H&M 2003, mitten in der Konjunkturflaute, mit 700 Millionen Euro Gewinn das erfolgreichste Jahr in der Firmengeschichte hin. Der Geldsegen kommt in großem Ausmaß nach wie vor der Gründerfamilie Persson zugute, die 30 Prozent der Aktien sowie 70 Prozent der Stimmrechte hält und mit Gründersohn Stefan Persson den Aufsichtsratpräsidenten stellt.

Rund 900 Filialen weltweit gibt es bereits, allesamt in besten Einkaufsdestinationen, darunter die Fifth Avenue in Manhattan. Und das ist dem Boss von H&M International, Rolf Erikson, nicht genug: Allein in den USA, wo das Geschäft bisher schwächelte, sollen bis 2005 35 neue Läden entstehen. Zudem knöpft sich Erikson gerade Kanada und Osteuropa vor. In den Kernmärkten Deutschland, Norwegen und Schweden expandiert H&M weiter. Selbst in Österreich, dem nach Umsatz pro Filiale erfolgreichsten H&M-Land der Welt, sollen heuer zu den 48 Läden zwei weitere hinzukommen. Erikson, euphorisch: „Überall freuen sich die Leute, wenn wir kommen. Entscheiden wir uns für die Eröffnung eines Shops in einer Region, bestürmen uns die Bürgermeister, doch ihre Stadt zu wählen.“

Ungebremstes Wachstum. In Mitteleuropa würden die flotten Schweden eigentlich schon an die Grenzen ihres Wachstums stoßen. In vielen Großstädten nehmen sich die Läden bereits gegenseitig die Kunden weg. Doch auch die Expansion ist nur eine Frage der Methode: In Deutschland erobert der dortige H&M-Chef Hans Andersson nach Hamburg und Berlin jetzt Städte mit bloß 50.000 Einwohnern. In Österreich läuft dieser Prozess ebenfalls. Oszwald: „Die Zeiten, in denen man Kleider kaufte, weil man sie braucht, sind längst vorbei. Wir ermöglichen den Menschen, sich über Mode selbst zu verwirklichen. Das funktioniert in New York genauso wie in Wien und Kapfenberg.“

Der zweite von Big Boss Erikson angewandte Trick zur Standortvermehrung trotz fortschreitender Marktsättigung: Wo kein klassischer H&M-Markt mehr Platz hat, werden jetzt auf Kleinflächen so genannte Konzeptstores errichtet. Erikson: „Das sind Läden für ganz junge und modebewusste Kunden, Geschäfte für gehobene Männerkleidung oder solche, in denen nur Kosmetik und Unterwäsche verkauft werden.“

In Innsbruck steht bereits ein bloß 400 Quadratmeter kleiner Young-Fashion-Store. Klassische H&M-Läden messen mindestens 1.200 Quadratmeter. Und hierzulande freuen sich sogar manche Konkurrenten über einen neuen H&M-Laden. Wilhelm Stift, Modehändler in Tulln und Wirtschaftskämmerer der Branche, streut den Schweden Rosen: „H&M belebt die Stadtkerne.“

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PLUS: H&M-Chefdesignerin Margareta Van den Bosch über ihre Inspirationsquellen.
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