Die Geldwebel der Republik

Das Schicksal der Bawag-Bosse liegt in den Händen der FMA. Heikle Fälle sind den Finanzmarktaufsehern nicht neu: Zoff mit Anlegern und Banken gehört zu ihrem Geschäft.

Für eine Hand voll Mitarbeiter der Finanzmarktaufsicht (FMA) war Allerheiligen diesmal kein Feier-, sondern ein schweißtreibender Arbeitstag. Um in der aufgeheizten Atmosphäre keine Zeit zu verlieren, brüteten sie gemeinsam mit den Prüfern der Nationalbank stundenlang über geheimen Bankunterlagen. Ende nächster Woche sollen die dubiosen Umstände, unter denen die Bawag dem insolventen US-Broker Refco über Nacht 425 Millionen Euro Kredit einräumte, geklärt sein. Vom Prüfbericht der Nationalbank und den darauf basierenden Aktionen der FMA hängt das Schicksal der Bawag-Spitze ab.

So nebenbei flog diese Woche auch der Wiener Finanzdienstleister AMIS in die Luft. Weit mehr als 10.000 Anleger zittern um ihr Geld – und werfen der Aufsichtsbehörde Nachlässigkeit vor. In den Ermittlungen gegen 30 Mitglieder früherer Eigentümerfamilien des Brau-Union-Konzerns, die durch Insiderhandel rund 9,4 Millionen Euro verdient haben sollen, hat die FMA ihren Schlussbericht mit Datum
28. Oktober dem Staatsanwalt übergeben. Und sie verlangt immer wieder nach noch schärferen Sanktionsmöglichkeiten.

Kampf an vielen Fronten. Die FMA-Bosse Kurt Pribil, 48, und Heinrich Traumüller, 47, stehen mehr denn je im Rampenlicht. Die Geldwebel der Republik kämpfen an mehreren Fronten. Viele Banker beklagen „Überregulierung“, geschädigte Anleger das Gegenteil. Mancher Fall gerät überdies zur Gratwanderung zwischen politischen Wünschen und Erhalt der Unabhängigkeit. So auch die Causa Bawag: In Kreisen der Bank und des ÖGB herrscht die Angst, die Regierung könnte aus dem Skandal parteipolitisches Kapital schlagen wollen. „Ein aufgelegter Elfer, um das rote Lager zu treffen“, meint ein Insider.

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