Die Fußballfans sind keine Hooligans

Der Fußball kämpft um seinen Ruf, weil Chaoten nicht nur in Italien die schönste Nebensache der Welt demolieren. Was kommt auf Österreich zu?

Zufälle gibt es. Der ORF zeigt am Sonntag eine Dokumentation über Fußballfans und Sicherheit bei der EURO 2008, und am selben Tag wird in Arezzo ein Fußballfan nach einer Rauferei von einem Polizisten „irrtümlich“ erschossen. Im Vorfeld der EURO 2008 für Medien Anlass genug, sich um die Sicherheit während der EURO zu sorgen.
Es ist erstaunlich, dass die Frage nach der Sicherheit vor Fans zentral wird, wenn ein Polizist „irrtümlich“, quasi Betriebsunfall, einen Menschen erschießt. Dass dieser „tragische Unfall“ Auslöser für gewalttätige Auseinandersetzungen in Italien wurde, fällt in der weiteren Berichterstattung bereits unter den Tisch. Stattdessen stellt man sich Fragen wie: „Warum lockt gerade Fußball verlässlich die größten Idioten an?“

Bravo! Genau das ist Teil der Problematik: Ein undifferenziertes, vorurteilbehaftetes Bild von Fans bestimmt die Haltung von Exekutive, Medien und Öffentlichkeit. Eine Auseinandersetzung mit der Frage, weshalb es immer häufiger zu Gewaltausbrüchen – von Polizei und Fans – kommt, wird vernachlässigt. Hier gibt es Aufklärungsbedarf: Fans sind keine Hooligans! Trotzdem gibt es Hooligans. Es bedarf einer viel differenzierteren Sichtweise auf Fans, die nicht alle über einen Kamm schert. Es gibt nicht eine Gruppe von Fans, es gibt diverse Fankulturen mit verschiedenen Interessengruppen, die versuchen, kreativ und aktiv ihr Team zu unterstützen.

Der Umgang mit Fans ist repressiv und versucht, auch mit Unterstützung der Vereine, Fans in die Passivität zu drängen, anstatt sie einzubinden: keine kritischen Transparente oder Parolen, keine Kritik an der Vereinsführung, kein Mitspracherecht dafür, dass sie wöchentlich ihr Team lautstark und ihren Verein finanziell unterstützen. Die Exekutive ist mit der Situation inzwischen überfordert, ähnlich frustriert wie die Fans und hat Angst – nicht anders ist es zu erklären, dass ein Polizist bei einer Rauferei seine Waffe zieht. Ist nun die EURO vor gewalttätigen Fans sicher? Sicher ist, dass es ein FARE-Fanbetreuungsprogramm von Fans für Fans geben wird, das den anreisenden Fußballfans differenziert und vorurteilsfrei begegnet.

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