Die Buberl-Wirtschaft

Die 175.000-Euro-Spende der IV wurde tatsächlich für die Homepage verwendet – und für üppige Verträge unter alten Grasser-Freunden.

Es war Anfang August 2001, als sich Matthias Winkler, Kabinettschef von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, bei einer Internetfirma im siebenten Wiener Gemeindebezirk meldete. Winkler stellte sich nicht als Politsekretär vor, sondern als Obmann des damals nur Insidern bekannten Vereins zur Förderung der New Economy. Er hatte keine gute Nachricht für die Firmenchefs des New-Economy-Unternehmens FirstInEx: Durch die personellen Veränderungen im Vorstand der FirstInEx sehe sich sein Verein gezwungen, die Zusammenarbeit einzustellen.

Die personellen Veränderungen im Vorstand der FirstInEx bedeutete vor allem eines: Dieter Jandl, damals Firmenvorstand und ein enger Schulfreund von Finanzminister Karl-Heinz Grasser, wurde nach den Turbulenzen der damaligen FirstInEx-Mutter Yline aus der Firma bugsiert.

Dadurch wird eine neue Komponente der Affäre Grasser deutlich, die nun sowohl von der Finanz als auch von der Staatsanwaltschaft Wien geprüft wird: Es sieht so aus, als hätte Grasser über den ihm nahe stehenden Verein eine Reihe von Freunden mit lukrativen Aufträgen versorgt.

Die Affäre begann damit, dass Lorenz Fritz, der Generalsekretär der Industriellenvereinigung, dem Finanzminister eine finanzielle Unterstützung für seine PR zusicherte. 175.000 Euro war diese Zusage offenbar wert – Geld, das fast ausschließlich für die Erstellung einer Homepage verwendet werden sollte.

Seit diese Summe bekannt ist, wird von vielen Experten geargwöhnt, dass, weil dieser Betrag im Verhältnis viel zu hoch wäre, die Gelder der IV auch für andere Zwecke verwendet wurden.

Nach den FORMAT vorliegenden Unterlagen ist das auszuschließen – die Gelder gingen tatsächlich für die Erstellung der Homepage drauf. Am 31. März 2001 schloss der Grasser-Verein einen Vertrag mit der Jandl-Firma FirstInEx, die als Generalunternehmer für die Homepageerstellung auftrat. Auftragsvolumen: damals 2 Millionen Schilling, umgerechnet fast 150.000 Euro.

Detail am Rande: Der Verein wurde angeblich erst im März 2001 gegründet, die FirstInEx legte die erste Rechnung bereits am 31. März 2001. Dabei war die Homepage nur ein Teil einer groß angelegten Persönlichkeitskampagne für KHG, die die FirstInEx mitverkaufte – die Vermutung liegt daher nahe, dass die Vorbereitungen zu dem Deal lange vor der Gründung des Vereins angelaufen waren.

Wie FORMAT-Recherchen belegen, konnte Jandl das viele Geld nicht allein einstreifen. Seiner Firma blieben 400.000 Schilling (29.000 Euro) für die „Projektkoordination“.

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