Die Antwort der Geldpolitik hängt von
der Lohnpolitik ab

„Im Falle einer Lohn-Preis-Spirale muss die Zentralbank aktiv werden und Leitzinsen erhöhen.“

Die glaubwürdige Bekämpfung von Inflation fördert das Vertrauen der Bürger in ihr Geld und bewirkt über niedrige langfristige Zinsen gute Rahmen­bedingungen für Investitionen und technischen ­Fortschritt. Die wirtschaftliche Dynamik eines Währungsraums hängt letztlich nicht von der Menge des verfügbaren Geldes ab, ­sondern von der Arbeit und der Qualifikation der Beschäf­tigten, von den Standortbedingungen, von der Investitions­tätigkeit und von einer verlässlichen, stabilitätsorientierten Wirtschafts- und Geld­politik.

Wird die Inflation durch internationale Entwicklungen – wie derzeit die weltweiten Energie-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreisanstiege – in die Höhe getrieben, so bedeutet das einen unvermeidlichen Kaufkraftverlust für die Österreicherinnen und Österreicher: Wir können für unsere eigenen Produkte we­niger Nahrungsmittel, Benzin und energie­intensive Produkte aus dem Ausland erwerben. Mit anderen Worten: Die Realeinkommen aus unserer Arbeit sinken.

Die Zentralbank kann gegen diesen „Erstrundeneffekt“ eines internationalen Rohstoffpreisschocks wenig unternehmen, denn er ist nicht durch eine überhitzte heimische Nachfrage verursacht. Die Inflation steigt vorübergehend an, bis das neue, höhere Preisniveau erreicht ist, und geht dann wieder zurück – es sei denn, die Inflation fräße sich über steigende Inflationserwartungen und stärkere Lohnerhöhungen und in weiterer Folge neuerliche Preiserhöhungen als „Lohn-Preis-Spirale“ fest. In diesem Fall muss die Zentralbank aktiv werden und die Inflationserwartungen mittels einer Leitzinserhöhung wieder eindämmen. Die angemessene Antwort der Geldpolitik auf die gegenwärtige Inflationsentwicklung hängt also vor allem von der Entwicklung der Inflationserwartungen und der Reaktion
der Lohn- und Preispolitik ab. Lohn- und Preismoderation im Inland tragen jedenfalls zu einem möglichst raschen ­Ab­ebben der Inflation bei und vermeiden so weitere Leitzins­erhöhungen.

Christian Keuschnigg, Professor für Nationalökonomie an der Universität St. Gallen und Leiter des Wirtschaftspolitischen Zentrums in Wien.

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