Die Akte Homepage

Exklusiv: Neue Dokumente zeigen erstmals detailliert, wie die 287.000 Euro der IV an Grassers Freunde verteilt wurden.

Matthias Winkler ist ein viel beschäftigter Mann. Tagsüber fungiert er als Kabinettschef von Finanzminister Karl-Heinz Grasser. Mehr als zehn Stunden am Tag schmeißt er ihm den Laden, organisiert sein Büro, begleitet den Chef auf seinen Reisen. Nach Dienstschluss fährt Winkler in den fünften Wiener Gemeindebezirk, in die Pilgramgasse Nummer 11, setzt sich an den Computer und beginnt zu texten. Sätze wie „Sozialfonds: Soziales Engagement für Kinder!“ schreibt er dann, oder „2003 – Vorläufiges Ergebnis besser als erwartet“, und: „Aktuell ist der zentrale Vertreter der Idee der New Economy der derzeit amtierende Finanzminister der Republik Österreich.“

Winkler erledigt diesen Nachtjob unentgeltlich, und zwar in seiner Eigenschaft als Obmann des Vereins zur Förderung der New Economy – jenes Vereins, der insgesamt 283.000 Euro an Spendengeldern der Industriellenvereinigung (IV) kassiert hat und dessen wesentlichster erkennbarer Output die Erstellung der Homepage www.karlheinzgrasser.at war.

Seit Monaten schon beschäftigt dieser Fall Finanz und Justiz. FORMAT liegt nun erstmals eine Fülle von Dokumenten vor, die detailliert Auskunft über das tatsächliche Geschäftsgebaren des Vereins geben und die erstmals Licht in die zahlreichen Geschäftsbeziehungen, die es offenbar rund um die Erstellung der Homepage gab, bringen: der detaillierte Prüfbericht der Wirtschaftstreuhänder von Ernst & Young, die den Verein Ende Jänner geprüft haben; die Verträge zwischen dem Verein zur Förderung der New Economy und der ehemaligen YLine-Tochter FirstInEx, die zuerst für die Homepage-Erstellung verantwortlich war; und schließlich das Protokoll einer internen Sitzung der FirstInEx, bei der die Verstrickungen rund um die Homepage besprochen wurden.

Aus all diesen Dokumenten geht eines hervor: Für die Homepage ist enorm viel Geld geflossen, und dieses Geld wurde unter einer Reihe von Freunden und Bekannten Grassers und seines Kabinettschefs Matthias Winkler verteilt – gegen exakte Abrechnung. Laut Ernst & Young flossen 114.163,55 Euro an die FirstInEx, deren Vorstand damals Grassers Schulfreund Dieter Jandl war. Mehr als 105.000 Euro gingen an die maRtrix marketing consulting von Grasser-Freund Peter Hochegger, und immerhin fast 21.000 Euro flossen direkt vom Verein an die „zehnvierzig“-Werbeagentur von Ex-FPÖ-Generalsekretär Walter Meischberger. Doch das ist nicht alles. Ernst & Young prüfte lediglich jene Gelder, die direkt vom Verein gezahlt worden waren. Was im Bericht nicht aufscheint, sind jene Gelder, die der Generalprojektleiter FirstInEx an Subunternehmer für Teilleistungen ausgab – dabei gab es ebenfalls Geld für Meischberger, maRtrix und in weiterer Folge für den Grasser-Bekannten Peter Schöndorfer, der später Pressesprecher im Finanzministerium wurde.

Der Homepage-Vertrag mit FirstInEx im Detail: Laut dem FORMAT vorliegenden Vertrag waren zwischen Verein und der Jandl-Firma FirstInEx folgende Teilleistungen vereinbart:

  • Teilleistung 1 umfasste die „Erstellung eines Persönlichkeitskonzeptes“ und war mit 450.000 Schilling (fast 33.000 Euro) budgetiert. Dieses Konzept hatte die Hochegger-Firma maRtrix bereits vor Vertragsabschluss erstellt.
  • Teilleistung 2 war die „Erstellung eines grafischen Vorschlages“. Kosten: 110.000 Schilling (rund 8.000 Euro).
  • Teilleistung 3 betraf die „inhaltlich-kreative Beratung“ zu einem Gesamtpreis von 410.000 Schilling (knapp 30.000 Euro) – mit dieser Aufgabe sollte die Firma von Meischberger bedacht werden.
  • Teilleistung 4 waren „Dienstleitungen zur Projektkoordination“, kalkuliert mit 400.000 Schilling (fast 30.000 Euro). Dieses Geld war für die FirstInEx vorgesehen.
  • Die Teilleistungen 5 bis 8 sehen die Anschaffung von Hard- und Software für insgesamt 700.000 Schilling vor.

Die ganze Story lesen Sie im neuen FORMAT
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