Der Voest-Deal

Der Politkrieg um die Voest ist nicht beendet. Aber der Börsengang beginnt Ende der Woche zu laufen. Am 19. September soll alles verkauft sein. Die SPÖ Oberösterreich leistet erbittert Widerstand.

Der Slogan passt. „Wir sind Voesterreicher“ heißt die Kampagne der Staatsholding ÖIAG, mit der sie Privatanleger zum Erwerb von Voest-Aktien bewegen will. Die Werbung spielt aber auch darauf an, dass die Voest seit Wochen der Aufreger Nummer eins in Politik und Wirtschaft ist. Jetzt hofft ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis „das große Engagement der Österreicher“ für den Börsengang nutzen zu können. Mit „Voesterreicher aller Bundesländer beteiligt euch“ oder „Lieber Privatsache als Staatsaffäre“ buhlen die Werbesujets um den Kleinaktionär.

Der Börsengang ist trotz der anhaltenden politischen Zerwürfnisse auf Schiene gestellt. Am 12. September beginnt das so genannte Bookbuilding. Großinvestoren geben bei den Investmentbanken an, wie viele Voest-Aktien sie zu welchen Konditionen nehmen wollen. Auf dieser Basis wird der Verkaufspreis ermittelt. Am 19. September geht die ganze Transaktion über die Bühne.

SPÖ will Landesbeteiligung an der Voest, die ÖVP blockt ab. Ein Zurück gibt es nicht mehr. Auch wenn in Oberösterreich der Krieg um die Voest vor den Landtagswahlen am 28. September härter tobt denn je. SPÖ und FPÖ in Oberösterreich wollen über ein Rechtsgutachten, das bis zum 15. September vorliegt, eine Beteiligung des Landes beim Börsengang durchsetzen und notfalls sogar eine eigene Investmentgesellschaft gründen. Der Linzer SP-Chef Erich Haider erklärt: „Wir wollen 15 Prozent. Das Land ist ein verlässlicher Aktionär mit einem besseren Rating als Raiffeisen.“ SPÖ-Budgetsprecher Christoph Matznetter spricht von „Notlösung, weil der Bund nicht in der Voest drinnen bleibt“.

Der schwarze Landeshauptmann Josef Pühringer lehnt den Plan ab: „Der oberösterreichische Kernaktionär steht sowieso, weil es mir gelungen ist, von Oberbank und Raiffeisen Vorkaufsrechte für das Land auf deren Voest-Anteile zu bekommen. Bund raus, Land rein – das wird der Verkäufer nicht zulassen. Meine Aufgabe ist es nicht, Utopien nachzuhängen.“

Von Finanzminister Karl-Heinz Grasser kommt ein klares Nein zu einer Landesbeteiligung. ÖIAG-Vorstand Rainer Wieltsch winkt ab: „Das Land kann nicht direkt kaufen.“

FPÖ von Schüssel und Grasser überrollt. Die FPÖ hat schon klein beigegeben. Noch in der Vorwoche forderten Vizekanzler Herbert Haupt, Jörg Haider und Justizminister Böhmdorfer ultimativ einen – am besten staatlichen – Kernaktionär, der 25 Prozent und eine Aktie hält. Den wird es nicht geben. Böhmdorfer gibt zu: „Der Kanzler war der Stärkere.“

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PLUS: Fahrplan: So läuft der Voest-Verkauf
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