Der Stronach-Report: Kaiser Frank I.

Eine neue Biografie beleuchtet das Phänomen Frank Stronach, dessen einzigartiger Aufstieg noch immer vielen ein Rätsel ist.

Ein sehr wichtiges Ziel hatte der nach Kanada ausgewanderte Frank Stronach schon in sehr jungen Jahren erreicht. Er konnte das Potenzial, das in ihm steckte, den Daheimgebliebenen beweisen, alle Zweifel ausräumen, dass er etwas Großes aus seinem Leben machen würde. Eine neue Biografie über den schillernden Unternehmer erinnert an die alten Tage: Ins Frühjahr 1961 fällt der erste Heimatbesuch, eine Reise, die zur Legende wurde. Frank, wie er sich inzwischen nannte, fuhr mit seinem nagelneuen Pontiac Parisienne, einem futuristischen Schlitten mit hellroten Ledersitzen im Geschmack der Zeit, von Toronto nach New York, schiffte sich samt Auto ein, ging in Le Havre von Bord und fuhr von dort einen Tag und eine Nacht bis nach Weiz. Seine Heimatstadt hat diesen Besuch nicht vergessen. Mitten in der Nacht sei der Franzl angekommen, berichtete die Mutter einer Freundin … Der Straßenkreuzer war in dem Kleinstädtchen eine nie gesehene Attraktion. Der alte Freund Peter Zachenhofer erinnert sich an eine triumphale Fahrt durch die winkligen Gassen von Weiz; Höhepunkt war selbstverständlich die Passage entlang der Elin, wo die Angestellten ungläubig aus den Fenstern starrten, von dem schnöseligen Ami mit huldvollem Winken bedacht. Frank Stronach war damals 28 Jahre alt. Natürlich musste er sich Angeberei vorwerfen lassen. Altersgenossen kolportierten, er sei in Wirklichkeit mit einem alten Kohledampfer nach Hamburg gekommen und habe sich das Auto dort geliehen. Es war der erste bekannte Fall von ungläubigem Neid, dem sich Frank Stronach in seiner alten Heimat ausgesetzt sah.

Finanziert hatte Frank Stronach den Trip in die Steiermark aus dem ersten Großauftrag von General Motors (GM) an seinen Zulieferbetrieb in Toronto. Rund 30 Jahre sollte es bis zu seiner zweiten, noch viel triumphaleren Rückkehr ins Geburtsland dauern. In den Neunzigern begann Stronachs Magna-Konzern groß in Österreich zu investieren. Der Gründer war plötzlich allgegenwärtig. Innerhalb weniger Jahre wurde Frank Stronach zum meistbewunderten und am stärksten polarisierenden unter allen Wirtschaftsmagnaten hierzulande.

„Let’s be Frank. Die unglaubliche Geschichte des heimlichen Kaisers von Österreich“ heißt eine Biografie, die demnächst in den Handel kommt – laut Norbert Mappes-Niediek, Buchautor und Journalist, „das erste kritische Porträt des einflussreichsten Industriellen Österreichs“.

Warum schaffte es ausgerechnet der 1932 in Kleinsemmering, einer Barackensiedlung in der Stadt Weiz, geborene Franz Strohsack zu einem der größten Autozulieferer der Welt? Diese Frage beschäftigt seine Landleute bis heute. „Let’s be Frank“ leuchtet dieses Phänomen zumindest teilweise aus: einerseits das genial erfolgreiche Unternehmenskonzept des Mannes, der bei der Elin Werkzeugmacher lernte, andererseits bedenkliche Verflechtungen zwischen Wirtschaft und Politik.

Stronach selbst, der ein ambivalentes Verhältnis zu seiner Vergangenheit pflegt, hat für diese Biografie nicht gesprochen, und er verweigert auch jetzt einen Kommentar.

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