Der Sekunden-Deal

Hinter der Vier-Sekunden-Transaktion mit Aktien der VA Tech steht ein Fight zwischen ÖIAG und Mirko Kovats, den beiden Großaktionären des Konzerns.

Am vergangenen Donnerstag läutete am späten Nachmittag bei einer ganzen Reihe institutioneller Investoren das Telefon. Manager der Deutschen Bank kündigten an, am nächsten Tag 1,35 Millionen Aktien der ÖIAG-Beteiligung VA Tech zu einem Preis von 24,50 Euro ins System der Wiener Börse zu stellen. „Uns wurde gesagt, wenn wir Interesse haben, sollten wir disponieren“, erklären Fondsmanager gegenüber FORMAT.

Die Aktion hatte Erfolg. Als die Papiere am Freitag kurz vor 16.30 Uhr auf den Markt kamen, waren sie innerhalb von vier Sekunden für durchschnittlich 24,60 Euro pro Stück verkauft. Die ÖIAG hatte für neun Prozent der VA Tech 33 Millionen Euro erlöst und hält jetzt nur noch 15 Prozent.

„Aktien nur für Freunde.“ Der erste Jubel über den Geldsegen war jedoch schnell verflogen, als sich die Staatsholding nach der Affäre um Voest-Chef Struzl gleich wieder in den Schlagzeilen fand. Auch bei diesem Deal sei es nicht rechtens zugegangen, sagt der Industrielle Mirko Kovats, mit 19 Prozent nunmehr der größte VA-Tech-Aktionär: „Meiner Ansicht nach handelt es sich klar um einen Pre-arranged-Deal der Deutschen Bank für gute Freunde.“ Und die Handelsregeln der Wiener Börse verbieten den so genannten „pre-arranged trade“.

Hintergrund für den Streit ist ein handfester Kampf um Geld und Macht bei der VA Tech. Das von der ÖIAG Ende Juli offiziell ausgeschriebene 15-Prozent-Paket wollte nämlich die mit Kovats eng verbundene Wiener M&A-Bank erwerben. Deren Vorstand Ronny Pecik hatte das seinen Kunden gegenüber öfters bekräftigt. Vor allem hätte die M&A-Bank in Hauptversammlungen garantiert immer mit Kovats gestimmt.

Kontrolle ja, Übernahmeangebot nein. Die ÖIAG-Vorstände Rainer Wieltsch und Peter Michaelis reagierten jedoch verärgert, dass Kovats sich durch dieses Vorgehen
die Kontrolle über die VA Tech sichern, gleichzeitig aber ein Übernahmeangebot für alle Aktien umgehen wollte. Zudem zeigte sich die M&A- Bank dem Vernehmen nach nicht bereit, mehr als 23 Euro pro Aktie zu zahlen. ÖIAG und Deutsche Bank heckten daraufhin den Überraschungscoup aus.
Kovats und Pecik hätten nicht geglaubt, so die Vermutung in der Deutschen Bank, dass es eine Alternative zu ihnen geben könnte.

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