Der Rettberg Krimi

Der einst schillernde Libro-Chef steht vor der Festnahme. Nach der Verhaftung seiner Anwälte entzog er sich einem Polizeiverhör. Es geht um den Verbleib von 4,8 Millionen Euro. Jetzt wird Rettberg in seiner Heimat Holland vermutet.

Der Anruf am vergangenen Dienstag kam mit unterdrückter Nummer. Ex-Libro-Chef André Rettberg, gegen den die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt wegen Betrugs und betrügerischer Krida im Anschluss an den Konkurs der Handelskette Libro ermittelt, meldete sich bei der Kripo Niederösterreich. Der Beamte am Telefon aktivierte umgehend eine Fangschaltung. Rettberg, 46, zeigte sich bereit, noch am selben Tag zu einer Vernehmung nach Wien zu kommen.

Für eine exakte Bestimmung von Rettbergs Aufenthaltsort war das Ge-spräch zu kurz. Fest stand: Der einstige Starmanager hatte sich zu diesem Zeitpunkt im Großraum München aufgehalten. Danach tauchte Rettberg ab. Weder Kriminalpolizei noch Vertraute konnten ihn noch erreichen. Den vereinbarten Termin mit der Kripo ließ er platzen.

Ursprünglich wollten die Ermittler Rettberg nur für 48 Stunden für ausführliche Verhöre in Gewahrsam nehmen. Durch sein Verschwinden hat er sich nun doppelt verdächtig gemacht. Ein Beamter: „Das zwingt uns zum Handeln.“ Ein Haftbefehl sei in Vorbereitung.

Eklat in der Kanzlei von Rettbergs Anwälten. Forsch ging die Polizei auch gegen Rettbergs Anwälte vor: Bei einer Hausdurchsuchung in der Kanzlei der Rechtsanwälte Gerhard Eckert und Michael Löb am Montag, die Rettberg in zivilrechtlichen Belangen vertreten, wollten die Ermittler angeblich belastendes Material sicherstellen. Als die Advokaten die Herausgabe verweigerten, wurden sie kurzerhand verhaftet.

Konkret soll es sich um Hinweise darauf handeln, dass André Rettberg mit Libro-Anteilen verdientes Geld unter Mithilfe seiner Anwälte widerrechtlich verbracht und damit seinen Gläubigern vorenthalten hat. Für Rettberg, Eckert und Löb gilt die Unschuldsvermutung.

Zwei Jahre nach Beginn der Ermittlungen im Libro-Krimi erreicht die Causa damit ihren vorläufigen Höhepunkt. Die Vorgeschichte erzählt vom biederen Angestellten, der zuerst zum gefeierten Wirtschaftsstar und dann zum Buhmann der Nation wurde. 1997 kaufte der Libro-Geschäftsführer Rettberg mithilfe von Geldgebern wie der Unternehmensinvest AG die Handelskette aus der Billa-Gruppe heraus. In einem furiosen Höhenflug machte er sie zu einem der hippsten Konzerne des Landes: mit aufgeblasener Internettochter lion.cc und allem, was dazugehört. Der Börsengang 1999 war zunächst ein Riesenerfolg. 2001 musste Libro den Ausgleich anmelden. Im Juli 2002 folgte der Konkurs mit 381,2 Millionen Euro an Verbindlichkeiten.

Geld von der Telekom. Seinen Einstieg bei Libro, der ihn 12,7 Millionen Euro kostete, finanzierte Rettberg teilweise mit einem Kredit der Creditanstalt. Durch eine ausgeschüttete Sonderdividende und den Einstieg der Telekom Austria 1999 kassierten die Libro-Gesellschafter bald groß ab. 13,8 Millionen holte sich Rettberg – zahlte damit aber nicht den Kredit seiner Privatstiftung zurück, sondern besicherte diesen mit seinem verbliebenen Libro-Paket, das am Höhepunkt des Hypes 45 Millionen Euro wert war.

Die Vermutung der Behörden, die deren kompromissloses Vorgehen begründet: Rettberg habe 4,8 Millionen Euro aus seinen Gewinnen zur Seite geschafft und damit seine Gläubiger betrogen. Rettberg selbst, für den die Unschuldsvermutung gilt, behauptete bisher beharrlich, beim Libro-Konkurs alles verloren zu haben, weil er sämtliches Geld wieder in Aktien des Unternehmens investiert hätte.

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Wer die Worte "aber" und "Probleme" aus seinem Wortschatz streicht hat bereits gewonnen. Oder gaukelt sich vielleicht nur selbst etwas vor?
 

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