Der Rennfahrer, der nicht aufgeben will

Niki Lauda könnte locker von seinen Zinsen leben. Aber der 53jährige verhandelt nach dem Hinauswurf bei Jaguar nun mit Bernie Ecclestone um einen Job im Management der Formel 1.

Vor ziemlich genau einem Jahr hatten Niki Lauda und seine Wiener Anwälte gerade viel Grund zum Feiern. Sie hatten einen monatelangen Rechtsstreit mit der AUA für sich entschieden. Die Austrian-Chefs überwiesen knapp 17 Millionen Euro für Laudas verbliebene Anteile an seiner früheren Airline – jene Summe, die schon 1997 in einem Vertrag festgelegt worden war. Beim Versuch, den Preis wegen des Beinahebankrotts der Lauda-air nachträglich auf 7,5 Millionen Euro zu drücken, bissen sich die AUA-Anwälte die Zähne aus. Tricky Niki rieb sich die Hände: Er kassierte eine Stange Geld für praktisch wertlose Aktien.

Über zwei Millionen Euro Ablöse
Seit Anfang dieser Woche sitzt Lauda, 53, wieder oft mit seinen Rechtsberatern zusammen. Zum Feiern ist ihm dieses Mal allerdings nicht zumute. Er läßt nach dem Rauswurf bei Jaguar seinen Dienstvertrag prüfen. 14 Monate wäre dieser noch gelaufen, woraus sich – bei einer Jahresgage von zwei Millionen Euro – eine Ablöse von ungefähr 2,3 Millionen ergibt, die Lauda bei sofortigem Ausscheiden zustünde. Den Konsulentenvertrag, den ihm der Ford-Konzern, zu dem der Jaguar-Rennstall gehört, statt dessen vorlegte, wollte Lauda ohne rechtliche Konsultation nicht unterschreiben: „Die haben das einfach aus der Tasche gezogen, gleich nachdem ich informiert wurde, daß ich weg bin. Ich lasse mich nicht mit so einem Papier niedermachen.“

Laudas Optionen
In seiner Londoner Wohnung plant er jetzt die Zukunft. Der dreifache Formel-1-Champion müßte längst nicht mehr arbeiten. Er hat genug verdient, um von den Zinsen leben zu können. „Aber das will ich nicht.“ Vieles deutet darauf hin, daß Lauda einen Managementjob beim obersten Formel-1-Kapo Bernie Ecclestone übernimmt. Eine nicht ganz so realistische Variante: daß er sich um die mittlerweile recht erfolgreiche Lauda-air Italien kümmert, die ihm noch mehrheitlich gehört. Der Beraterjob bei Jaguar wäre wohl nur ein Notnagel.

Cool wie immer
Lustig ist die Situation für Lauda nicht. In der Welt der PS-strotzenden Boliden fühlte er sich immer am meisten zu Hause. Er bleibt zwar cool wie immer: „Ich bin nicht enttäuscht, nur überrascht.“ Aber daß er, fast auf den Tag genau zwei Jahre, nachdem ihn die AUA aus dem Lauda-air-Cockpit drängte, jetzt als Formel-1-Boß von Jaguar gehen muß, hinterläßt auch bei einem Siegertypen seine Spuren.

Niki nazionale, der er für viele immer noch ist, zieht es außerdem nicht wirklich zurück nach Österreich. „Ich lebe gern in London“, erzählt er. Umsomehr, als seit kurzem auch seine beiden Söhne Lukas, 23, und Mathias, 21, bei ihm in der Londoner City wohnen. Die 5.300 Euro Monatsmiete für das Apartment bezahlt Jaguar.

Im sauteuren Nobelviertel Knightsbridge, ums Eck des berühmten Harrods-Kaufhauses, bewohnt Lauda 75 Quadratmeter. „Die scheußliche Einrichtung“ (O-Ton) hat er vom Vormieter übernommen. Der Kühlschrank im Dreimännerhaushalt ist zumeist ziemlich leer. Während die Sprößlinge – Nachwuchsrennfahrer Mathias und dessen Manager Lukas – sich häufig auf Partys vergnügen, frequentiert der Vater meist die Italiener San Lorenzo und Scalini. Häufige Dinnerpartner sind der frühere Benetton-Rennchef Flavio Briatore und Bernie Ecclestone.

Andreas Lampl

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