Der Refco-Krimi … und die Folgen für die BAWAG: Die Chronologie eines Desasters

Die Bawag wurde zuerst vom Exchef des US-Brokers Refco hinters Licht geführt, dann von seinen Nachfolgern ausgetrickst. Offene Frage: Wie leichtfertig haben die ÖGB-Banker 425 Millionen Euro verborgt?

Der eisige Wind von New York fegt ihm beinahe den Regenschirm aus der Hand. Im blauen Sweater und mit zerzaustem Haar darf Phillip Bennett nach stundenlangen Verhören schließlich das New Yorker Bezirksgericht wieder verlassen.

Der Exvorstandsvorsitzende von Refco, dem weltweit größten Terminbroker, muss seit Tagen in seinem Luxuspenthouse in der New Yorker Park Avenue ausharren. Er steht, versehen mit einer elektronischen Fußfessel, unter Hausarrest. Michael J. Garcia, Staatsanwalt des Southern District of New York, wirft dem 57-jährigen Exsuperstar der US-Finanzszene Betrug in der Höhe von Hunderten Millionen Dollar vor. Der Strafrahmen: zwanzig Jahre Haft.

Den Umstand, nicht gleich monatelang in Untersuchungshaft zu versumpern, verdankt Bennett guten und langjährigen Geschäftsfreunden in Österreich. Denn die im Alleineigentum des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB) stehende Bank für Arbeit und Wirtschaft AG (Bawag) hat dem Refco-Chef am zehnten Oktober einen Kredit in der Höhe von 350 Millionen Euro gewährt. Als das Geld in New York eingelangt war, ging alles Schlag auf Schlag: Bennett wurde seiner Funktion enthoben, die Refco-Aktie vom Börsenhandel ausgesetzt – und Bennett zwei Tage später kurzfristig unter Betrugsverdacht verhaftet.

Weitere zehn Tage später mutiert der Refco-Skandal nun zum lupenreinen Finanzthriller mit historischen Dimensionen: Refco schlitterte mit Schulden in der Höhe von 48,6 Milliarden Dollar in die Pleite. Die Aktie verlor 98 Prozent ihres Wertes. Es ist die viertgrößte Insolvenz in der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte und einer der größten Bilanzskandale.

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