Der nächste Präsident

Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll hat das Rennen um die Hofburg eröffnet – früher und deutlicher als erwartet. In einem FORMAT-Interview definiert er bereits sein Amtsverständnis: etwas Kirchschläger, wenig Klestil und ganz viel Pröll.

Das Licht war präzise gesetzt, die Kulisse vom Feinsten, und auch am Kostüm des Darstellers gab es nichts auszusetzen – „Traumschiff“-Produzent Wolfgang Rademann und sein Regisseur Hans-Jürgen Tögel hatten vergangenen Dienstag am Filmset in Dürnstein an der Donau ganze Arbeit geleistet. „Der Ferienarzt“, so der Titel des heimatverbundenen Spielfilms, dürfte ein voller Erfolg werden. Geplanter ORF-Sendetermin: Anfang 2004.

Eine Erfolgsgeschichte könnte auch werden, was am Rande dieser Dreharbeiten seinen Anfang nahm. Niederösterreichs ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll, der im „Ferienarzt“ in einer Gastrolle sich selbst spielt, dachte nämlich knapp vor den Aufnahmen erstmals laut über seine Kandidatur für das höchste Amt im Staat nach. Im FORMAT-Interview auf der prächtigen Terrasse des Dürnsteiner Schlosshotels definierte er genau sein Amtsverständnis.

Nach Ende des Gesprächs gab er an derselben Location – die Donau glitzerte im Hintergrund – dem ORF-Landesstudio eine Wortspende. Es gäbe viele Anrufe von Bürgern und Parteifreunden, die ihn zu einer Kandidatur drängen würden: „Diese Appelle gehen an mir nicht spurlos vorbei.“

Seither ist das Rennen um die Nachfolge von Bundespräsident Thomas Klestil offiziell eröffnet, obwohl der erste Wahlgang erst im April 2004 stattfindet. Mit seiner Ankündigung, über eine Kandidatur „ernsthaft nachzudenken“, hat Pröll nun eine erste Duftmarke gesetzt – und wer die ÖVP kennt, weiß, dass diese die entscheidende sein könnte. Mit seiner Ankündigung, sich „spätestens im Oktober zu entscheiden“, ob er wirklich antritt, hat er die nächste Fallfrist gesetzt: Bis zu seinem endgültigen Ja oder Nein haben die anderen VP-Bewerber um den Posten Pause.

Zusätzlich ist es für schwarze Konkurrenten nun schwer – wenn nicht sogar unmöglich –, ihre Ambitionen kund zu tun. Egal ob Außenministerin Benita Ferrero-Waldner oder die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic: Wenn sie kandidieren wollten, müssten sie nun offiziell gegen Pröll auf- und antreten. Und das ist, wie vier ÖVP-Bundesobmänner und vier niederösterreichische SPÖ-Vorsitzende erzählen können, alles andere als eine leichte Aufgabe.

So sind auch die ersten Reaktionen zu bewerten: „Die Bundespräsidentenwahl ist für mich derzeit kein Thema“, lässt Außenministerin Benita Ferrero-Waldner kurz und bündig ausrichten. Ähnliches ist auch aus der Umgebung von Waltraud Klasnic, Landeshauptmann der Steiermark, zu vernehmen. Und das schüchterne „Die Entscheidung fällt erst Ende des Jahres“-Statement von VP-Klubchef Wilhelm Molterer ist angesichts der neuen Entwicklungen auch nicht ganz ernst zu nehmen: Die Entscheidung fällt im Oktober, und sie fällt im postmodernen Betonkoloss des St. Pöltener Regierungsviertels. Entscheidet sich Pröll zu kandidieren, dann ist er der ÖVP-Kandidat. Unbestätigten Gerüchten zufolge hat ÖVP-Obmann Wolfgang Schüssel dem Niederösterreicher bereits signalisiert, dass er gegen dessen Kandidatur keine Einwände hätte.

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