Der lange Pinguin-Marsch - Die Pinguin-Kolonne wächst konstant!

Wer hätte vor zehn Jahren gedacht, dass der kuriose Linux-Pinguin in jeder IT-Abteilung „zuhause“ sein wird. Von der AUA bis zum Wiener Rathaus arbeiten heute mehr Firmen denn je mit lizenzfreien Programmen. Die treibende Kraft für das konstante Wachstum ist aus Kundensicht mehr denn je das Kostenargument. Alexander Brandl vom Energiesparverband OÖ stellte seine Server schon 2001 auf Linux um: „Durch den Wegfall der Lizenzen hatte ich mehr Spielraum beim Budget und investierte das in neue Hardware.“ Jetzt wagt er den nächsten Schritt – die Anwendungsebene – und arbeitet an der Umstellung auf die Open-Source-Datenbank MySQL.

Auch in der IT-Abteilung der AUA wird im Internetbereich seit langem mit Linux gearbeitet. Chef Rainer Pichler hat sich nun sogar im geschäftskritischen Bereich an eine OS-Lösung gewagt: Die neue Steuerungsplattform für das Chartergeschäft, die Kommunikation, Kontingentierung und Abrechnung zwischen AUA und Reiseveranstaltern abwickelt, ist die Software „Midgard“ von der Firma Quintessence. Pichler zu den Motiven: „Das Produkt haben wir nach rein fachlichen Kriterien ausgewählt. Dass es eine OS-Lösung geworden ist, die genau gepasst hat, war eigentlich Zufall.“ Diese Einführung wird die AUA mindestens ein Viertel günstiger kommen als mit einem vergleichbaren Produkt des Mitbewerbs.

Linux ist längst Industriestandard. Den Weg zu mehr „Mut“ im Einsatz – also auch bei geschäftskritischen Programmen – beobachtet auch Gerald Kautz, Consulter bei Hewlett-Packard. „Open Source wird nun auch im ERP- und CRM-Bereich ein Thema. Und damit wird sich Linux als zweites Standbein neben Microsoft noch mehr etablieren“, urteilt er. Neben den Big Names der Branche wie eine SAP arbeiten auch schon heimische Spezialanbieter für ERP-Software, etwa Mesonic, an ihren „offenen“ Programmen. Mesonic-Boss Karl Aller will schon im zweiten Halbjahr seine Linux-Variante „Enterprise WINline“ auf den Markt bringen. „In den 90er Jahren haben wir uns Microsoft zugewandt. In Zukunft können die Kunden selbst entscheiden, ob sie unser Produkt unter Windows oder Linux verwenden wollen.“ Wenn Microsoft Ende des Jahres mit noch günstigeren Firmenprodukten auf den Markt kommen wird, bringt das noch mehr Dynamik in den Markt. Diese „Kannibalisierung“ der Hersteller ist jedenfalls gut für die IT-Budgets der Kunden. Auch Server-Hersteller Sun hat sich dazu durchgerungen, sein Solaris-10-Betriebssystem kostenlos abzugeben, um sich gegen Windows und Linux zu behaupten. In nur acht Wochen wurde das System über eine Million Mal heruntergeladen. Sun-Österreich-Chef Donatus Schmid: „Open Source ist das beste Marketinginstrument. Wir halten das System am Markt und bringen es sogar in Bereiche, wo es früher gar nicht verwendet wurde.“

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