Der Koloss von Toulouse

In zwei Monaten startet der neue Jumbo-Airbus A380 zu ersten Probeflügen. Im neuen Superflieger steckt jede Menge High Tech aus Österreich: ein FORMAT-Report aus dem Bauch des größten Zivilflugzeugs aller Zeiten.

Wenn sich die schwer bewachten Tore der quadratkilometergroßen Jean-Luc-Lagardère-Werkshalle öffnen, kriegen sogar die abgebrühtesten Airbus-Manager jedes Mal eine Gänsehaut.

In 60 Meter hohen Stationen hantieren Hunderte Techniker an fünf Stück der Kolosse. Die gigantische Dimension der Anlage, wo gerade die Flügel (Spannweite: 79,8 Meter) an den gewaltigen Rumpf montiert werden, schluckt fast allen Lärm.
Kaum vorstellbar, aber wahr: Schon Anfang Dezember wird hier in der Zentrale des Luftfahrtkonzerns Airbus, in der südwestfranzösischen Stadt Toulouse, der erste Airbus vom Typ A380 zum Jungfernflug abheben – wohl der entscheidende Moment eines Projekts, das alle bisherigen Dimensionen in der zivilen Luftfahrt sprengt:

  • Nachdem die Entwicklung fast elf Milliarden Euro verschlungen hat, will Singapore Airlines den gewaltigen Vogel bereits im zweiten Quartal 2006 in Dienst stellen. Mit mindestens 555 Sitzen (maximal sind bis zu 850 möglich) auf zwei Ebenen sind dann Flüge von bis zu 14.800 Kilometern möglich – etwa nonstop von Singapur nach Los Angeles.
  • 79,8 Meter Flügelspannweite, auf zwei Stockwerken 24 Meter hoch und zum Stückpreis von 260 Millionen Dollar: Die 560 Tonnen Gesamtgewicht katapultieren vier Triebwerke in die Luft, die schier unvorstellbare 168.000 PS leisten und von zehn Tanks mit einem Fassungsvermögen von 255.000 Liter Kerosin gespeist werden (um 80.000 Liter mehr als beim bisher größten Passagierflugzeug, der Boeing 747). Trotzdem soll der Brummer günstigere Betriebskosten erreichen als jedes Flugzeug zuvor.

Mit der Entwicklung des A380 reitet der europäische Luftfahrtriese Airbus (50.000 Mitarbeiter an 16 Standorten in Europa) eine Frontalattacke auf den US-Erzrivalen Boeing. Airbus hat die Amerikaner bei der Produktion von Flugzeugen mit mehr als hundert Sitzen im Vorjahr erstmals überholt und mit 254 Stück einen Marktanteil von 52 Prozent geschafft (Boeing brachte es nur auf 239 Flieger bzw. 48 Prozent). Mit dem Investment von elf Milliarden Euro ins 380er-Programm fahren die Europäer nun ein enormes Risiko. Boeing dagegen hoppelt mit der Entwicklung der 7E7, der ersten Neuentwicklung seit der 777 im Jahre 1990, hintennach.

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