Der Kanzler als Teamchef: Ein Sieg ist so wahrscheinlich wie der Aufstieg

„Die eigentlichen Stars aus den Bun­desländervereinen sitzen nur auf der Zuschauerbank und denken an ihre regionalen Bewerbe.“

Der Kanzler erregte weltweites Aufsehen, verkündet stolz die Homepage der SPÖ. Dass Alfred Gusenbauer den Aufstieg der Österreicher ins Viertelfinale der EURO ’08 prophezeite, interessierte dabei weniger als die kühne Hoffnung, Österreich werde im letzten Spiel der Vorrunde am 16. Juni Deutschland besiegen. Mit 3:2, wie vor dreißig Jahren, 1978, in Córdoba, eh klar. Mindestens ebenso wahrscheinlich wie die Möglichkeit, dass sich die Mannschaft Gusenbauer und Molterer bis zum Schlusspfiff 2010 retten – und danach womöglich noch in eine zweite Runde aufsteigen – kann.

Vor allem der nationale Mannschaftskapitän macht eine veritable Formkrise durch. Mit selbstverliebten Alleingängen („übliches Gesudere“, „Nach 16 Uhr arbeitet bei uns niemand im Parlament“) hat er die Spieler aus dem eigenen roten Verein verprellt und durch mangelnde Kommunikation für taktisches Chaos gesorgt (eigentlich sollten Koalitionsvereinbarungen zuerst intern abgesichert und dann erst öffentlich verkündet werden). Dazu kommt ein Geburtsfehler im gesamten Team: Der zweite Großverein in Schwarz hat es von Beginn an nicht verwunden, dass der rote Konkurrent überraschend den Meistertitel errang und im Gefolge auch mehr Teamspieler stellen konnte als er selbst. Und das rote Pendant hatte noch nicht verdaut, dass in den heimischen Bewerben vor der Europameisterschaft der schwarze Gegner, inzwischen eigentlich zum Verbündeten geworden, manch hartes Foul an ihm begangen hatte. Die Folge: Statt sich auf den gemeinsamen Endzweck, eben die weitere Qualifikation für eine zweite Runde, zu konzentrieren, übte man sich im eifersüchtigen Haxlstellen, nicht gegen den logischen Gegner, sondern gegen den eigenen Mitspieler. Konsequenz: ein langsames, defensives Spiel, manches Eigentor, ein Pfeifkonzert im Publikum, kaum realistische Chance auf einen Sieg.

Diese Phase dauerte bis zur österlichen Halbzeitpause. In der Kabine gelobte man Besserung, Ge- und Entschlossenheit, mehr Zug zum gegnerischen Tor. Seither wirkt das Spiel auf gegensätzliche Weise verwirrt: krampfhaft und mit Ho-ruck-Aktionen nach vorne orientiert, ohne strategische Absicherung in gegnerische Konter laufend. Da werden zu weite, prinzipiell richtige Vorlagen gegeben, die so aber nicht zu erwischen sind („Gesundheitsreform noch heuer“, „Pensionsautomatik knapp vor einer Landtagswahl“), da zucken immer öfter eigene Player beider Vereine teils resignierend, teils opponierend ihre Schultern und vermitteln so körpersprachlich, dass sie nicht mehr an den Erfolg des Gesamtteams glauben. Noch dazu, wo die eigentlichen Stars aus den Bundesländervereinen gar nicht am Feld stehen, sondern auf der Zuschauerbank sitzen und vorrangig an den eigenen regionalen Bewerb denken – und neue, alte Kämpen aus den Pensionistenklubs nach einem Wechsel an der Teamspitze rufen.

Natürlich: So ein Match ist hart, eine Heerschar von Zusehern prinzipiell feindlich, der Erfolgsdruck objektiv hoch. Aber: So subjektiv schwach darf sich ein Team nicht präsentieren. Obwohl: Die wirkliche Konkurrenz ist wahrlich nicht übermächtig. Und der Kapitän, an sich ein zäher Kämpfer, hat einmal schon bewiesen, dass er aus einer scheinbar aussichtslosen Situation einen Überraschungstreffer erzielen kann. Dazu müsste ihm diesmal freilich ein wahres Kunststück gelingen. Und zumindest seine aktuelle persönliche Performance wie die seines gesamten Teams macht ein solches so wahrscheinlich wie ebenjenen 3:2-Sieg in Córdoba. Übrigens: Der war zwar gut für die nationale Ehre, nutzte aber sonst überhaupt nichts. Österreich war schon zuvor ausgeschieden.

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