Der silberne Höhenflug

Der Silberpreis ist seit Jahresbeginn um 36 Prozent gestiegen. Sammler nutzen die Silberhausse und verkaufen ihre Silbervorräte. Industrielle Anleger hingegen kaufen Silber, da sie mit weiter steigenden Preisen rechnen.

In der Wiener Filiale des Schoeller Münzhandels ist normalerweise nicht gerade die Hölle los. Die Numismatik ist ja für gewöhnlich ein eher ruhiges Geschäft. Doch seit kurzem stürmen Münzsammler von jung bis alt das Geschäft. Nicht um sich dort mit neuen Münzen einzudecken, sondern um Altbestände zu verkaufen. Elmar Schmid, Geschäftsführer von Schoeller Münzhandel, einer 100-Prozent-Tochter der Münze Österreich, ist bass erstaunt: "Normalerweise besuchen uns rund zwanzig Kunden pro Woche. Aber allein in der vergangenen Woche hatten wir mehr als tausend Kunden. So etwas habe ich noch nicht erlebt."

Aufgrund des Massenandrangs befinden sich jetzt zigtausend Silbermünzen, großteils aus der Schilling-Ära, im Tresorraum von Schoeller. Allein von der einst so beliebten 500-Schilling-Münze wurden in der Vorwoche 12.000 Stück verkauft. Bei der 100-Schilling-Münze waren es 3.500 Stück. Schmid: „Zum Glück haben wir vor zwei Jahren im Tresorraum einen neuen Estrich gelegt. Der alte Boden wäre unter dieser Münzenlast zusammengebrochen.“

Ursache der Verkaufshysterie ist der gegenwärtig sehr hohe Silberpreis. Jahrelang dümpelte der Preis für eine Unze Argentum (lateinisch für Silber) zwischen vier und acht Dollar. Doch seit Beginn dieses Jahres ist die Silberwährung rasant gestiegen. Im Jänner musste man für eine Unze des grauen Edelmetalls noch neun Dollar bezahlen. Jetzt kostet der Ausflug in die Welt des silbernen Rohstoffs bereits 12,40 Dollar. Das entspricht einer Steigerung von knapp 36 Prozent.
Den Höchstpreis seit dreißig Jahren erzielte Silber allerdings schon im Mai dieses Jahres mit 15 Dollar (siehe Grafik). Mit einiger Verspätung hat die Silberhausse auch die österreichischen Silbersammler erreicht, die sich jetzt von ihren Schätzen trennen und diese zu Geld machen. Doch in vielen Fällen macht der hastige Silberverkauf wenig Sinn. Oft bekommt man nur den Nennwert (siehe Kasten Seite 78). So bringt die 100-Schilling-Münze beim Umtausch in der Nationalbank umgerechnet 7,23 Euro, der Silberwert beträgt aber lediglich 4,35 Euro. Beim 500er ist die Sache noch deutlicher: 6,29 Euro Silberwert bei einem Nennwert von 36,34 Euro. Solange diese Münzen von der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zum Nominale zurückgenommen werden, ist ein Umtausch nur wegen des Silberpreises nicht zu empfehlen.

Ein echtes Geschäft sind Silbermünzen mit kleinem Nennwert. Für den alten Silberzehner bekommt man bei Schoeller Münzhandel einen Euro (also 38 Prozent mehr als das umgerechnete Nominale von 0,72 Euro). Die Sparkasse Oberösterreich verlangt geringere Gebühren als Schoeller und zahlt deshalb für dieselbe Münze sogar 1,18 Euro. Auch bei kleinen Beträgen rechnet sich ein Vergleich: Für den Silberfünfer gibt es bei Schoeller 70 Cent bei einer Nominale von 36,34 Cent (ein Plus von 93 Prozent). Die Sparkasse OÖ zahlt auch hier mehr, nämlich 0,82 Euro. Ebenfalls im attraktiven Bereich befindet sich die
25-Schilling-Münze. Die OeNB zahlt an Nominale 1,82 Euro. Der Silberwert beträgt aber 2,50 Euro.

Münzen und Barren für Investoren. Komplett anders stellt sich die Situation bei den Euro-Münzen dar. Schoeller-Chef Schmid: „Als Gegenbewegung zu den Schilling-Verkäufen gibt es viele Private, die neue Euro-Silbermünzen kaufen.“ Wegen des hohen Silberanteils hat die 10-Euro-Münze allerdings bereits einen Preis von rund 18,50 Euro. Die Crux: Dazu kommen noch zehn Prozent Mehrwertsteuer. Silbermünzen sind nämlich – anders als Goldmünzen – umsatzsteuerpflichtig.
Außerdem können Anleger auch Silberbarren kaufen. Beim Kauf von Silberbarren (gegenwärtiger Kaufpreis rund 430 Euro) werden allerdings beim Kauf sogar 20 Prozent Mehrwertsteuer verlangt. Dieser Nachteil muss erst wieder aufgeholt werden, was ein Investment nur zur Renditeerzielung praktisch sinnlos macht.

Es gibt allerdings eine Möglichkeit, die Besteuerung zu vermeiden. Viele deutsche Banken bieten mehrwertsteuerfreie Edelmetallkonten an. Auf diese wird der Wert der Silbereinkäufe eingetragen. Das Silber wird physisch aber nicht übertragen. Leopold Kühmayer, Steuerberater von der TPA Horwath: „Da in diesem Fall keine Lieferung von Gegenständen stattfindet, fallen auch in Österreich keine Taxen an.“ In Österreich werden diese Konten allerdings nur ab sehr hohen Beträgen eingerichtet. Die BA-CA etwa bietet diese Buch-Silber-käufe ab einem Mindestbetrag von 250.000 Euro an.

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