Der neue Herr der Weltbank

Mit Paul Wolfowitz übernimmt der neokonservative Vordenker von George Bush und Architekt des Irakkriegs die Führung der mächtigen Weltbank – die Auswirkungen auf die weltweite Entwicklungspolitik.

Amerikas Weltführung ist sowohl für Amerika gut als auch für die Welt. Sie braucht militärische Stärke. Zu wenige Politiker machen sich heute für globale Führerschaft stark.“ Mit diesen Worten begrüßt das „Projekt für ein neues amerikanisches Jahrhundert“ Besucher seiner Website. Unterzeichner: Paul Wolfowitz. Bisheriger Job: Architekt des Irak-kriegs der USA. Derzeitiger Job: nominierter Weltbank-Präsident. Und im Rest der Welt ganz und gar nicht beliebt.

Kein Wunder, dass Wolfowitz angesichts solch klarer Ansagen Schwierigkeiten hat zu erklären, dass er in Wirklichkeit ganz anders sei. „Ich bin kein Unilateralist“, wiederholt er beharrlich in Dutzenden Interviews. „Ich habe kein politisches Programm. Die Weltbank bleibt, wie sie ist.“ So richtig glauben mag ihm das besonders in Europa niemand. „Die Begeisterungsstürme halten sich in Grenzen“, meinte Deutschlands Weltbank-Gouverneurin Heide Wieczorek-Zeul.

Der Grund ist klar. Im Atrium des Weltbank-Gebäudes in Washington steht die Statue eines jungen Mannes, der einen alten Blinden an der Hand führt. Eigentlich soll das Denkmal an die Ausrottung der Flussblindheit erinnern. Amerikanische Neokonservative sehen darin auch gern ein Sinnbild: Dafür, wie „die erfolgreichste Gesellschaft der Welt dem Rest der Welt beibringt, wie man erfolgreich ist“ („New York Times“).

Und genau davor fürchten sich die Europäer. Denn der Einfluss der USA in der mächtigen Weltbank ist ohnehin schon sehr stark. Sie haben den höchsten Stimmanteil – über 16 Prozent –, beherbergen die Zentrale und prägen die Politik. Gegründet 1944 in Bretton Woods gemeinsam mit dem Internationalen Währungsfonds, sollte die Weltbank den Wiederaufbau Europas durch günstige Kredite finanzieren. Mittlerweile ist sie vor allem für Entwicklungsländer zuständig, aber auch für den Aufbau von Osteuropa, dem Nahen Osten, des Irak und Afghanistans. Sie vergibt Kredite und leistet Entwicklungshilfe. Der Preis dafür ist die politische Fügung in den „Washington Consensus“: Budgetdisziplin, Marktöffnung und Exporte.

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