Der große FORMAT-Report: Neue Jobs für Österreich - Diese Firmen schaffen Arbeit!

Anheuern statt feuern! FORMAT präsentiert die Erfolgsstorys jener Firmen, die dafür sorgen, dass in Österreich trotz schwieriger Wirtschaftslage neue Jobs geschaffen werden.

Eine tolle Chance für alle, die im Job schon immer hoch hinaus wollten: Die Firma Industrial Alpinists sucht schwindelfreie Handwerker wie Maurer, Zimmerleute oder Spengler, die an Sicherungsseilen hängend Höhenarbeiten an Hochhausfassaden, Türmen, Masten und anderen exponierten Orten ausführen. Mit Unterstützung des AMS werden sie in einem einjährigen Programm zur spezialisierten „Höhenfachkraft“ ausgebildet. Ein Berufsbild mit exzellenten Zukunftsaussichten, ist Firmenchef Johannes Lux überzeugt: „Wir erwarten hohe Zuwachsraten, denn bevor andere ihr Gerüst aufgestellt haben, sind wir mit der Arbeit fertig. In Deutschland gibt es in dieser Branche schon 3.000 Arbeitsplätze, in Österreich erst einige wenige.“ Sein Team von derzeit 14 Höhenspezialisten will er daher in den nächsten drei Jahren jedenfalls verdoppeln. Lux und andere dynamische Unternehmer sorgen mit cleveren Geschäftsideen und innovativen Produkten dafür, dass die Zahl der Beschäftigten in Österreich trotz schwacher Konjunktur laufend steigt.

„Der Mittelstand und Firmengründer sorgen für neue Jobs“, sagt Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein. Dennoch gibt es am Arbeitsmarkt ein massives Problem: Obwohl die Zahl der Arbeitsplätze heuer auf einen Höchststand von mehr als 3,1 Millionen steigt, klettert auch die Arbeitslosigkeit mit mehr als 250.000 Jobsuchenden auf ein neues Rekordniveau. Für die zunehmende Jobnachfrage sind mehrere Faktoren verantwortlich: Die Erwerbsquote der Frauen steigt deutlich an, aus dem wirtschaftlich schwächelnden Deutschland drängen immer mehr Arbeitsuchende nach Österreich, und nicht zuletzt sorgt die Pensionsreform dafür, dass ältere Arbeitnehmer länger im Berufsleben bleiben müssen. FORMAT präsentiert in diesem Job-Report 40 Firmen, die dafür sorgen, dass Österreich trotz des Andrangs auf den Arbeitsmarkt im europäischen Vergleich eine der niedrigsten Arbeitslosenraten aufweist.

Dienstleister boomen, aber immer weniger Produktionsjobs. Ein Trend ist klar: Während in der Produktion Arbeitsplätze verloren gehen, bauen wirtschaftsnahe Dienstleister Jobs auf – Industrial Alpinists ebenso wie die expandierenden IT-Unternehmen ACP und S&T oder die Werbeagentur Dirnberger de Felice (DDF). Auch das Gewerbe der Personalbereitsteller entwickelt sich geradezu zur Boombranche. So baut Manpower heuer seinen Pool an Zeitarbeitskräften um 700 Leute aus. Heute helfen Zeitarbeitsfirmen längst nicht mehr nur beim Kapazitätsausgleich in der Industrieproduktion, sondern auch bei Urlaubs-, Krankenstands- sowie Karenzvertretungen im Angestelltenbereich und vermitteln immer mehr IT-Spezialisten und hoch qualifizierte Techniker auf Zeit.

„In letzter Zeit ist vor allem die Nachfrage aus kleinen und mittleren Unternehmen stark gestiegen“, sagt Manpower-Chef Gerhard Flenreiss. Zusätzliches Marktpotenzial tut sich im September auf, wenn Pflegeanstalten zur Linderung der Personalknappheit bis zu 15 Prozent ihres Personals von Zeitarbeitsfirmen beziehen dürfen. Auch für Arbeitnehmer auf Jobsuche wird Zeitarbeit immer öfter zum Sprungbrett in ein dauerhaftes Beschäftigungsverhältnis. „Ein Viertel der Mannschaft wird von den Kunden als fixe Mitarbeiter abgeworben“, sagt Manpower-Marketingmanagerin Andrea Lehky.

Wenn auch die Statistiker heuer in der Sachgüterproduktion einen Verlust von 4.000 Stellen prognostizieren, gibt es doch eine Reihe von Produktionsunternehmen, die sich diesem Trend entgegenstellen: Das Elektronikunternehmen Schiebel zieht gerade in Wiener Neustadt eine Produktionsstätte für den neu entwickelten Camcopter, einen unbemannten Hubschrauber, in die Höhe und sucht Fachkräfte. „Bei fast 100 Prozent Exportanteil ist Reisebereitschaft natürlich eine wichtige Voraussetzung“, stellt Personalchef Leopold Skalsky klar.

In Linz investiert die voestalpine bis 2007 zwei Milliarden Euro in höhere Produktionskapazitäten. „Dadurch entstehen in Summe 1.000 bis 1.500 neue Jobs“, sagt VA-Sprecher Wilhelm Nitterl. Das oberösterreichische Technologieunternehmen Fronius eröffnet nach der Rekrutierung von 167 Mitarbeitern 2004 Ende des nächsten Jahres eine neue Produktionsstätte in Sattledt und wird dafür erneut Personal aufstocken. Auf der Suche nach hoch qualifizierten IT- und Telekommunikationstechnikern ist Norbert Irnleitner, Personalchef des Sony-DADC-Werks in Anif. Sie werden für ein neues Projekt mit Vodafone, bei dem es um Musikdownloads per Handy geht, dringend gebraucht.

Mit dem Metallbeschichter Plansee, dem Marmeladenhersteller Darbo und dem Speckspezialisten Handl Tyrol zählen Arbeitsmarktexperten gleich drei Tiroler Paradebetriebe zu den Jobmotoren in Österreichs Wirtschaft. Auch der kurzfristige Beschäftigungsausblick für das nächste Quartal, der von Manpower jeweils nach Bundesländern und Branchen erhoben wird, zeigt die aktuell größte Jobdynamik in Oberösterreich, Salzburg und Tirol (s. Grafik unten).

Der Branchenvergleich des Beschäftigungsausblicks zeigt, dass neben dem Bau und dem Finanzbereich auch der Handel die Jobsituation in den nächsten Monaten eher günstig einschätzt. Bei Spar Österreich entstehen Jahr für Jahr 1.000 neue Handelsarbeitsplätze. Dass gerade diese Branche für den starken Anstieg der Teilzeitbeschäftigung verantwortlich zeichnet, ist aus Sicht von Vorstand Fritz Poppmeier systembedingt: „Durch gesetzliche Vorgaben wie Öffnungszeiten und Zuschlagsregelungen sind wir zu Flexibilität gezwungen. Bei uns werden aber auch Teilzeitkräfte weiter qualifiziert.“

Große Branchenunterschiede bei den Gehältern. Die vielen Teilzeitkräfte drücken das durchschnittliche Jahresgehalt im Handel auf knapp 20.000 Euro brutto – im Schnitt verdient ein Angestellter in Österreich 25.000 Euro im Jahr. Doch die Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen sind enorm (s. Grafik S. 55). Unternehmen aus dem Finanzbereich zahlen ebenso wie Energie- und Wasserversorger traditionell gut: 44.192 Euro verdiente ein Durchschnittsangestellter in der Energiewirtschaft im vergangenen Jahr. Weitaus weniger zu verdienen gibt es in der Landwirtschaft oder in der Gastronomie, die mit 16.016 Euro jährlich die einkommensschwächste Branche darstellt. Deutlich spürbar im Börsel ist auch der Unterschied zwischen den Geschlechtern: Quer durch alle Sparten hinken die Durchschnittseinkommen der weiblichen Angestellten jenen der männlichen Kollegen hinterher.

Gefragte Wissenschaftler. Unabhängig vom Geschlecht heiß begehrt am Arbeitsmarkt sind wissenschaftliche Mitarbeiter nahezu aller Fachgebiete. Besonders gefragt: Experten für Medizintechnik und erneuerbare Energien. „Wir wollen heuer wieder um etwa zehn Prozent wachsen“, sagt etwa der Personalvorstand von Intercell, Guido Unterberger.

Personal sucht auch der wissenschaftliche Leiter der Austrian Research Centers Seibersdorf (ARCS), Erich Gornik. „Wir haben 2004 etwa 70 neue Leute eingestellt. Und in den nächsten zwei Jahren kommen sicher noch einmal hundert dazu – mindestens. Wenn die angestrebte Forschungsquote in Österreich erreicht wird, finanziert sich das zusätzliche Personal selbst.“

Während die Jobaussichten für top qualifizierte Absolventen technischer und naturwissenschaftlicher Studien sehr gut sind, passen die Anforderungen der Fir-men und die Qualifikation der Jobsuchenden oft nicht zusammen. Dann ist die Vermittlung des AMS gefragt. AMS-Chef Herbert Böhm verweist auf große Fortschritte in diesem Bereich: „Durch unser Key-Account-Management hat sich sowohl die Geschwindigkeit als auch die Treffsicherheit bei Stellenbesetzungen verbessert.“ Sind Arbeitslose im Schnitt 100 Tage auf Jobsuche, finden Firmen meist sehr schnell passende Mitarbeiter: 67 Prozent der offenen Posten vermittelt das AMS binnen eines Monats, innerhalb von drei Monaten sind es sogar 92 Prozent.

Geld

Mieten wieder deutlich gestiegen

Rürup: "Große Pensionskürzungen sind längst beschlossen"

Geld

Rürup: "Große Pensionskürzungen sind längst beschlossen"

Wirtschaft

Siemens-Prozess: Physiker mit Nebenjob Compliance-Officer