Der Dollar im Sturzflug. Wen reißt er dabei mit?

„Für den Einsatz gibt es die Rückendeckung der UNO. Und fast sämtliche neutrale und blockfreie Staaten Europas beteiligen sich.“

Kommenden Montag reist der Oberbefehlshaber des Bundesheeres auf die syrischen Golan-Höhen. Eine vorweihnachtliche Visite Heinz Fischers, die sicher bei politischen wie medialen Beobachtern wieder positives Echo erzeugen wird. Seit 1974 sind dort mehrere Hundert österreichische Soldaten im Einsatz, um in einer der heikelsten Konfliktregionen der Welt den ohnehin wackligen kriegslosen Zustand (von „Frieden“ kann man im Nahen Osten nicht sprechen) halbwegs abzusichern. Diese Teilnahme am UNO-Einsatz blieb stets unbestritten, selbst als vor einigen Monaten ein steirischer Bundesheer-Major im benachbarten Libanon durch einen israelischen Bombenangriff getötet worden war. Noch Anfang Juni waren wieder 186 neue Soldaten in Götzendorf stolz verabschiedet worden, nie gab es ernsthafte Kritik an der rot-weiß-roten Unterstützung für die UN-Blauhelme. Auch nicht an anderen Auslandseinsätzen, in Mazedonien, Bosnien oder dem Kosovo. Selbst der zahlenmäßig unbedeutende, aber besonders gefährliche Einsatz von (vier!) Österreichern in Afghanistan wurde nur von dubiosen Sympathisanten der Taliban im Internet in einem „Drohbrief“ an die österreichische und deutsche Regierung heftig attackiert.

Umso ungewöhnlicher nun die Aufregung, die am medialen und politischen Boulevard nun um die Teilnahme Österreichs an der humanitären Intervention im Tschad entstanden ist. Zugegeben: Das von nur knapp zehn Millionen Menschen bewohnte riesige Wüstenland (3,5-mal so groß wie Deutschland) liegt nicht gerade im Zentrum des internationalen Scheinwerferlichtes, obwohl dort seit Jahrzehnten diverse Cliquen unterschiedlicher Ethnien und Religionen um die Macht kämpfen. Allein die alte Kolonialmacht Frankreich engagiert sich dort aus strategischen Gründen seit zwanzig Jahren im Rahmen ihrer Epervier-Mission – immer wieder auch gegen den nördlichen Nachbarn Libyen – und unterstützt mit 1.200 Soldaten den jetzigen Machthaber Idriss Debry. Dessen Regierung gilt als korrupt: Transparency International reiht den Tschad gemeinsam mit Bangladesch an die letzte Stelle von 159 untersuchten Staaten. International nutzt ihm aber die Konfrontation mit dem östlichen Nachbarn Sudan: Dessen islamisches Regime hat immer wieder Reitermilizen unterstützt, die Aufständische in der Provinz Darfur massakrieren, mehr als 150.000 Menschen sind darauf über die Grenze in den Tschad geflüchtet und vegetieren dort in Lagern, immer wieder weiter aus dem Sudan angegriffen. Der UNO-Sicherheitsrat hat daraufhin deren Schutz beschlossen, die EUFOR (European Union Force) soll ihn exekutieren. Mit dabei eben auch Österreicher: 600 haben sich dafür freiwillig gemeldet, 160 – davon drei Frauen – werden ab 3. Jänner in den Tschad aufbrechen.

Nun hat dieser Einsatz selbstverständlich seine Tücken: Die Franzosen stellen 1.600 der 3.700 EUFOR-Leute und damit eine saubere Trennung zu ihrer Epervier-Intervention infrage, die eben auch politische und nicht nur humanitäre Zwecke verfolgt. Natürlich können auch bei dieser humanitären Mission Österreicher zu Schaden kommen, schließlich sind auch Gefechte bei der Verteidigung der Flüchtlinge nicht auszuschließen. Und die ersten logistischen Probleme beim ursprünglich schon für Dezember geplanten Einsatz – vor allem der Mangel an Hubschraubern – verdeutlichen, wie ungenügend die EUFOR noch für einen von NATO und USA unabhängigen Einsatz vorbereitet ist.
Andererseits: Es gibt für ihn eine klare Rückendeckung der UNO. Er geschieht also gar nicht auf Druck „aus Brüssel“, wie uns notorische EU-Hasser vorgaukeln wollen. Und er gefährdet auch nicht die österreichische Neutralität: Fast sämtliche neutralen und blockfreien Staaten Europas beteiligen sich daran, Schweden ebenso wie Irland und Finnland. Österreichs Regierung – selten hat man derzeit Grund, sie zu loben – hat daher gut getan, sich davon nicht zu absentieren. Besorgte Kritik daran ist natürlich dennoch möglich. Aber nicht auf solch tiefem Niveau, auf das sich etwa Tirols Landeshauptmann Van Staa begab („Einsatz bis nach der EURO 2008 verschieben“?!) oder einzelne Leserbriefschreiber, die gleich von Blut an den Händen des Verteidigungsministers fantasierten. Und zum noch nicht offen artikulierten, aber wohl oft gedachten „Argument“, die „Bloßfüßigen im Busch“ solle man ruhig sich gegenseitig die Köpfe einschlagen lassen: Österreich war seit 1960 allein in Afrika an 14 Missionen der UNO beteiligt.

Auch Kritiker des Bundesheeres müssen konzedieren, dass es großartige Hilfe beim Schutz gegen Katastrophen aller Art leistet. Der Einsatz im Tschad ist als solcher konzipiert. Wenn er sich anders entwickelt, müsste Österreich das allererste Land sein, das ihn abbricht. Derzeit sollte man ihn aber solidarisch unterstützen, nicht defätistisch torpedieren.

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