Der Boom im Kunstmarkt ist erklärbar

Gustav Klimts „Adele Bloch-Bauer II“ erzielte zuletzt mit 87,9 Millionen Dollar den Höchstpreis. Drei ExpertInnen diskutieren die Kunstmarktpreise.

Ich kann diese Frage nicht plausibel beurteilen, aber möchte versuchen, Gründe zu nennen, die diesen Boom erklären.

1. Die zeitgenössische Kunst konnte in den letzten sechs Jahren noch nie dagewesene Wertsteigerungen von mehreren hundert Prozent erzielen.

2. Kunstwerke von Museumsqualität kommen nur selten auf den Markt. Jeder Sammler sehnt sich nach diesen „Gustostückerln“. Durch vermehrte Restitutionen von Kunstwerken aus den Museen finden sich solche Meisterwerke immer öfter am Markt und verkaufen sich natürlich zu Spitzenpreisen.

3. Das Interesse an Kunst ist im letzten Jahrzehnt äußerst stark gewachsen. Internet, weltweite Ausstellungen, Fernsehen und Printmedien machen es dem Interessierten leicht, Informationen zu sammeln. Es ist schick geworden, Kunst zuhause zu haben und Vernissagen zu besuchen.

4. Kunst hat sich als Alternative zu Aktien oder Immobilien etabliert und schenkt dem Besitzer außer einem möglichen Wertzuwachs auch noch persönlichen Genuss.

5. Meisterwerke erzielen natürlich nur dann derartige Spitzenpreise, wenn es finanzkräftige Käufer gibt, die bereit sind, solch hohe Summen für Kunst auszugeben. Gerade in den USA und Russland, aber auch in Europa, dem Nahen Osten oder China und Indien gibt es immer mehr Millionäre, die, ohne mit der Wimper zu zucken, einige Millionen Dollar ausgeben.

All diese Aspekte zeigen, dass die derzeitige Situation das Resultat einer völlig natürlichen und auch stabilen Entwicklung des Kunstmarktes ist. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass diese große Anzahl an finanzkräftigen Kunstinteressierten von heute auf morgen aufhört, Kunst zu kaufen. Nur ein Börsencrash oder ein kräftiger Wirtschaftseinbruch könnte die Lage verändern. Beides ist derzeit nicht in Sicht.

Auch wird es nicht so leicht sein, einmal in den Köpfen verankerte Spitzenpreise von über hundert Millionen Dollar wieder zu vergessen. Ob die Grenzmarke erreicht ist, wird uns nur die Zukunft weisen.

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