Der heiße Börsenherbst 2002

2002 war bislang ein rabenschwarzes Börsenjahr. Terror- und Kriegsangst sowie die schleppende Konjunktur drückten die Kurse. Was soll man jetzt billig kaufen?

Der September begann, wie sich das Anleger von diesem Monat – dem im langjährigen Schnitt schlechtesten des Börsenjahres – erwarten durften. Montag ging es mit einem kräftigen Minus los, Dienstag rutschte der Dax weitere sechs Prozent gen Süden, und der Nikkei markierte mit 9.217 Punkten den niedrigsten Stand des japanischen Börsenbarometers seit neunzehn Jahren.

Während sich Statistiker ob ihrer Trefferquote die Hände reiben, sind Investoren – ob privat oder Profis – weniger glücklich. Die erhoffte Konjunkturerholung zu Jahresende dürfte sich endgültig ins nächste Jahr verschieben, und die Angst vor dem Jahrestag der Terrorschläge am 11. September, einem Krieg mit dem Irak oder neuen Bilanzskandalen lasten schwer auf der Stimmung. Selbst unbeugsame Optimisten wie Ralph Accampora, Chefstratege bei Prudential Securities, der im Jänner für das Jahresende einen Dow-Jones-Stand von 12.000 Punkten prophezeit hatte, sind kleinlauter geworden. Er sieht nur noch die Chance „auf einen fünfstelligen Dow, wenn externe Schocks ausbleiben“. Immer noch eine gewagte Prognose, denn derzeit hält das New Yorker Kursbarometer bei 8.350 Punkten.

Risikofaktor Krieg
Abgesehen von nicht kalkulierbaren Risiken wie Terror oder Irak-Krieg hängen Gewinn oder Verlust der Anleger von den jeweils neuesten Konjunkturdaten ab, die oft widersprüchlicher nicht sein könnten.Wie sehr hier selbst Experten im trüben fischen, zeigt das Beispiel der für kommende Woche erwarteten US-Auftragseingänge für Investitionsgüter: Salomon Smith Barney rechnet mit einem enormen Anstieg von 7,5 Prozent, der Prognoseschnitt liegt bei plus 2,2, und Merrill Lynch glaubt an ein Minus von 1,1 Prozent. „Es zeigt sich“, so US-Fed-Chef Alan Greenspan scharfsinnig, „kein klares Bild.“

Autoren: A. Proissl, S. Klasmann

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