Der Ärztereport: Stress statt Streik. Was sie leisten. Woran sie leiden. Was sie fordern

Die Ärzte klagen über hohe Arbeitsbelastung und zu wenig Geld fürs System.

Es gibt sie, die wirklich coolen, die wirklich feschen und wirklich schlauen Jungärzte, die mit Leidenschaft und Einsatz, Wissen und Fachkompetenz tagtäglich ihren Patienten helfen wollen. Man muss sie nur suchen, zum Beispiel auf ORF 1, RTL oder PRO 7. Die US-Medizinerserien „Grey’s Anatomy“, „Scrubs“ oder „Dr. House“ sind für die TV-Sender aktuell wahre Quotenbringer. Der Grund dafür ist einfach: In den populären Ärzteserien stimmt sie noch, die heile Welt der Götter in Weiß. Attraktive, gut ausgebildete und dementsprechend hoch bezahlte Mediziner widmen sich neben ihren amourösen Affären ausschließlich dem Retten von Menschenleben. Und lassen den Fernsehkonsumenten damit für einige Stunden vergessen, dass in der Spitalsambulanz ums Eck ein übermüdeter Turnusarzt stundenlang Patienten betreuen muss. Oder dass Kranke auf eine nicht akute Operationen in Österreich bis zu drei Monate warten. Oder dass niedergelassene Ärzte und Spitäler von den Krankenkassen nach einem undurchsichtigen und organisatorisch aufwendigen Punkteplan entlohnt werden.

Man vergisst dabei aber auch, dass Ärzte selbst unter gewaltigem Arbeitsdruck stehen und dass die Ungereimtheiten in einem selbst für Experten unüberschaubaren Finanzierungssystem aus Bund, Ländern, Gemeinden und Krankenkassen überhand nehmen. Und das in einem System, in das jährlich 25 Milliarden Euro oder zehn Prozent des BIPs fließen.

Daran wird sich so schnell auch nichts ändern. Damit alles beim Alten bleibt, wurde der Ärztestreik am 8. 11. abgesagt. Der Stein des Anstoßes, eine Kompetenzverschiebung hin zum Bund – laut Ärztekammerpräsident Walter Dorner eine „planwirtschaftliche Zentralisierung des österreichischen Gesundheitssystems“ – wurde nun weitgehend entschärft. In den 15.000 Ordinationen in Österreich wird es dann nur einen Informationstag für Patienten geben. ÖVP-Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky zog vergangenen Mittwoch ihren Entwurf zur Einführung von Gesundheitszentren zurück und zeigte sich bis zuletzt total perplex, dass ihr „Referentenpapier“ überhaupt an die Öffentlichkeit gelangt war. „Die Gesundheitszentren haben gar nichts mit Verstaatlichung zu tun“, verteidigt Kdolsky ihren Entwurf gegenüber FORMAT, „Aufgabe der Gesundheitszentren ist es, die Öffnungszeiten im niedergelassenen Bereich an die Bedürfnisse der Patienten anzupassen.“ Befürchtungen, dass künftig Unternehmer wie Robert Hartlauer ein Rundumservice von Optikern bis angestellten Augenärzten anbieten könnten, weist Kdolsky zurück: „Es ist klar, dass Gesundheitszentren ausschließlich von Ärzten und Gesundheitsberufen betrieben werden können.“

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