Das große Sommerloch im Tourismus

Mieses Wetter, Wirtschaftskrise, und die Deutschen stehen lieber hinter als vor der Bar: Österreichs Tourismus kommt ins Trudeln.

Wenn man in diesen Tagen niederländische Tageszeitungen aufschlägt, dann kann es schon passieren, dass einem das Inserat eines Tiroler Hoteliers auffällt: Gratisübernachtungen in seinem Vier-Sterne-Hotel werden darin angeboten, die dazu passende Halbpension gibt es um 19 Euro. Pro Tag. Wenn man durch Tirol oder Kärnten fährt, dann sind es
die vielen „Zimmer frei!“-Fähnchen, die einem auffallen. Und wenn man Helmut Peter, den Wirt des legendären Weißen Rössls in St. Wolfgang im oberösterreichischen Salzkammergut, nach seiner Auslastung zu Sommerbeginn befragt, dann sagt er nur: „Beschissen wäre noch geprahlt.“

Das sind die Szenen eines Sommers, des Sommers 2005, eines Sommers, der für die österreichische Tourismuswirtschaft nicht gerade gut läuft, und das ist noch stark untertrieben. Zwar keimt mancherorts die Hoffnung, dass durch die Terrorwelle in den klassischen Sommertourismusländern Ägypten und Türkei Österreich insgeheim profitieren könnte – weil manche Urlauber, aufgeschreckt durch die Anschläge, lieber Ferien im sicheren Österreich machen.
Doch tatsächlich ist der heimische Tourismus in eine veritable Strukturkrise geschlittert. In beinahe allen Bundesländern sind die Nächtigungszahlen stark rückläufig, nur in Wien und Salzburg sorgen die Städtetouristen für eine einigermaßen ausgeglichene Bilanz. Ansonsten geht es überall steil bergab. In Kärnten gab es allein im Juni fast 10 Prozent weniger Übernachtungen als im Juni 2004, in Salzburg und Tirol setzte es ein Minus von 9 Prozent, in Vorarlberg sogar von 12,4 Prozent.
Dabei sind diese Zahlen sogar noch einigermaßen erträglich für die heimischen Touristiker, rechnen sie doch alle Übernachtungen, also die der Österreicher und der ausländischen Gäste, zusammen. Und Fakt ist: Während die Nächtigungen von Österreichern im Lande selbst sogar mancherorts nach oben gehen, zieht es immer weniger Ausländer an die österreichischen Seen, in die Berge und Wellnesshotels. Im Juni etwa kamen 15,8 Prozent weniger ausländische Urlauber nach Kärnten als im Juni des Vorjahres. In Salzburg waren es 11,9 Prozent, in der Steiermark 11,1 Prozent und in Oberösterreich 7,3 Prozent.
Insgesamt gab es im Juni laut Statistik Austria mehr als eine halbe Million Nächtigungen weniger als im Juni des Vorjahres – ein Desaster für das Tourismusland Österreich.

„Es herrscht Katastrophenstimmung bei uns“ , sagt etwa der Veldener Hotelier Anton Wrann. Mit 270 Betten im Hotel Post und im Seehotel in Velden ist er der größte Hotelier am Wörthersee, außerdem Obmann der Fachgruppe Hotellerie der Wirtschaftskammer Kärnten: „Bei uns laufen die Wochenenden zwar sehr gut, während der Woche sind die Hotels aber schlecht gebucht. Dieser Trend verstärkt sich immer mehr.“ In den ersten beiden Juliwochen hat er ein dickes Minus geschrieben, und nachdem die Situation bei seinen Kärntner Kollegen auch nicht besser ist, sieht er „Handlungsbedarf: „Wir müssen vor allem einmal das Werbebudget aufstocken, sonst haben wir keine Chance.“
Ähnlich argumentiert auch Erwin Paierl vom Thermenhotel Paierl im steirischen Bad Waltersdorf. Er ist zwar einer der Profiteure der schlechten Juliwitterung, weil bei Regen Thermen und Wellnesshotels regelmäßig zu Höhenflügen ansetzen – er klagt aber ebenfalls über das Ausbleiben von internationalen Gästen: „Wir haben 85 Prozent österreichische Gäste, die Internationalisierung fällt uns schwer. Deswegen bräuchten wir auch eine bessere Fluganbindung der Thermenregion und der Steiermark insgesamt, etwa mit Billigairlines in Richtung Deutschland.“

Denn egal ob in Kärnten, in der steirischen Thermenregion oder auch auf dem Campingplatz im burgenländischen Podersdorf: Die Deutschen bleiben heuer überall aus. Laut Statistik Austria kamen im Juni 15 Prozent weniger deutsche Gäste nach Österreich als im Vorjahr. Doch nicht nur das: Auch bei Briten, Franzosen, Holländern und Amerikanern gibt es heuer stark rückläufige Zahlen.
Helmut Peter, Rössl-Wirt aus St. Wolfgang und ebenfalls „mies in die Sommersaison gestartet“, glaubt deswegen, dass am „Produkt Sommertourismus in Österreich“ insgesamt etwas nicht in Ordnung ist: „Die Strukturkrise gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren, nur wurde sie bisher überdeckt, weil die Westdeutschen den Ostdeutschen Geld gegeben haben, das die dann nach Österreich gebracht haben.“
Für Helmut Peter liegt das Problem des Sommertourismus primär darin, dass er „im Gegensatz zum Winter, wo ich weiß, ich gehe eine Woche Skifahren, nicht klar strukturiert ist: Es gibt viele Angebote, aber ich muss mich selbst darum kümmern, in ein Auto steigen, irgendwo hinfahren. Nicht alle Leute wollen sich das selbst organisieren. Urlaub am Meer ist da schon einfacher, da weiß ich, dass die berühmten vier S auf mich warten: Sonne, Sand, Saufen und Sex.“
Deswegen sollte der heimische Sommertourismus seiner Meinung nach verstärkt in die Infrastruktur investieren, am Profil des Sommertourismus feilen und ihm eine klare Marke abseits von Pinguinen verpassen.
Ähnlich sieht es auch der Tiroler Tourismusexperte Günther Aloys: „Es muss wieder Attraktionen geben, Museen oder Events. Wenn wir das Geld nur in Marketing und Werbung stecken, dann wird es zu wenig sein".

Auch für Florian Werner, Chef der Nobelherberge Hospiz am Arlberg, haben die „Menschen beim Stichwort ,Urlaub in Österreich‘ Alpen und Skifahren im Kopf. Wir müssen uns dringend überlegen, wie wir auch im Sommer eine Marke werden können.“
Eine gültige Antwort darauf hat er freilich auch noch nicht gefunden – sein Haus, immerhin in die exklusive Hotelkette von Relais & Châteaux aufgenommen und daher ein absolutes Hochpreis-produkt, ist den Sommer über offiziell sogar geschlossen. Um zumindest die Betriebskosten hereinzubekommen, führt Familie Werner das Haus den Sommer über aber als bessere Frühstückspension für französische Pensionärsgruppen. Soll heißen: kein Service, kein Fünf-Sterne-Paket, aber Schnäppchenpreise. „Ein Modell für die Zukunft ist das freilich nicht“, so Werner zu FORMAT.
Bloß: Wie könnten solche Rezepte für den Tourismus aussehen?
Vielleicht können sich die Sommertouristiker tatsächlich ein bisschen von den großen Stadthotels inspirieren lassen – denn hier gibt es so gut wie keine Probleme. „Bei uns wird es im Juli und August, die nie unsere stärksten Monate waren, sogar besser“, sagt etwa Thomas Schön vom Wiener Hotel Bristol.
Auch Mitbewerberin Gabriela Benz vom 294 Zimmer großen Le Méridien kommt im Juli und August auf eine Auslastung von jenseits der 80 Prozent: „Wir sind nicht wetterabhängig und haben viele Kurzurlauber.“ Beide Wiener Stadt-hoteliers glauben, dass sich ihre Hotels durchsetzen, weil sie ein klares Konzept für den Sommer haben: Sightseeing und Shoppen.

Auffällig am Besucherrückgang ist, dass er die Betriebe unterschiedlich trifft – je geringer der Standard, desto schmerzhafter sind die Nächtigungseinbußen. Während Vier- und Fünf-Sterne-Hotels bei ausländischen Gästen nur ein geringes Minus aufzuweisen haben und bei Urlaubern aus Österreich sogar stark zulegen, müssen Ferienhaus- und Privatzimmer-Vermieter besonders arg kämpfen. Sie verzeichneten im Juni 2005 einen Rückgang von gigantischen 21 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Maximilian Eidlhuber, Präsident des Verbands der österreichischen Schlosshotels & Herrenhäuser, sieht sich deshalb in seiner Meinung bestätigt, dass nur „jene Betriebe eine Chance haben, die nicht nur Betten vermieten, sondern ihren Gästen ein Gefühl vermitteln. Es muss ganz einfach das Ambiente stimmen.“ Eidlhuber glaubt, dass es dabei gar nicht so sehr darum geht, neue Pools und große Wellnesskomplexe in die Landschaft zu bauen, sondern in die persönliche Betreuung der Gäste zu investieren. „Im Tourismus heute ist die Software wichtiger als die Hardware.“
Oder vielleicht muss der heimische Tourismus im Sommer zu ganz unorthodoxen Methoden greifen.
So etwas versucht beispielsweise das Blumenhotel Tirolerhof im salzburgischen Saalbach-Hinterglemm. Während das Haus im Winter eine klassische Skifahrerherberge ist, versucht es die Familie Sonnbichler im Sommer als „Koscher-Hotel“ – mit Erfolg: Den ganzen Sommer über ist das Haus mit jüdischen Touristen aus New York und Israel ausgebucht.

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