Das Lachen des Siegers

Vor dem Gebäude am Neuen Markt in Wien steht ein rund 80.000 Euro teurer Mercedes 500. Durch das Panoramafenster des eleganten Besprechungszimmers im ersten Stock fällt der Blick auf den Donnerbrunnen. Gerald Schweighofer, 47, Besitzer des Wagens und der Nobelimmobilie, tritt durch eine doppelflügelige Tür aus heller Fichte ein.

In seinem Gesicht liegt das zufriedene Lächeln eines Unternehmers, der gerade ein gutes Geschäft gemacht hat. Nur dass es bei ihm nie erlischt. Denn Schweighofer hat als Superstar der österreichischen Holzindustrie zuerst aus dem elterlichen Sägewerk im kleinen niederösterreichischen Brand einen Weltkonzern gemacht, um diesen im Zuge eines Rekorddeals an den finnischen Holzgiganten Stora Enso zu verkaufen. Seither ist der trotz seiner grauen Haare jugendlich wirkende Single so reich, dass ihm das Lachen kaum noch vergehen kann: Satte 500 Millionen Euro hat er auf der hohen Kante.
Mit diesem Geldsegen bestreitet Schweighofer – mehr smarter Stadt- als rustikaler Waldmensch – jetzt ein Kapitel seines Lebens, das Aufsteigerporträts gewöhnlich nicht mehr erfassen: Noch wohlhabender kann er kaum werden, zumindest würde es keinen Unterschied mehr machen. Was also tut ein Mann, nachdem sich sein amerikanischer Traum ein für allemal erfüllt hat?

Schweighofer verzichtet zum Beispiel auf Krawatten. Beim Gespräch mit FORMAT trägt er zu seinem Siegerlächeln ein offenes Hemd. „Fünfzig Prozent meiner Termine absolviere ich ohne“, sagt er. Obwohl da noch immer einiges an Geschäftlichem dabei ist. Schließlich gilt es für den Selfmade-Millionär, das in eine Privatstiftung eingebrachte märchenhafte Vermögen möglichst lukrativ zu investieren.
Schweighofer hat zu diesem Zweck Latifundien in Österreich, Tschechien, der Slowakei und Kanada erworben. Er sammelt Luxusimmobilien in Wien, Prag, Salzburg und Vancouver. Mit achtzig Millionen Euro aus eigener Tasche hat er nebenbei in Rumänien ein neues Sägewerk gebaut, das auch schon wieder zu den größten Osteuropas zählt und heuer in Vollbetrieb geht.
Daneben geht sich für Schweighofer jetzt eine Menge Freizeit aus. Er zieht gerade von seiner Dachwohnung am Karlsplatz in das Palais Carl Ludwig um. Er speist gern beim Nobelwirt Steirereck und hält sich im Fitnesscenter des Intercont schlank. Ein Porsche musste auch her, gleich nach dem Stora-Enso-Deal. Den hat er inzwischen allerdings wieder verkauft: „Mein Gepäck hat nie in den Kofferraum gepasst.“ Was umso dümmer war, als Schweighofer das Reisen liebt. „Ich schaue mir die ganze Welt an.“

Dabei hatte es für den Niederösterreicher nie nach einer Traumkarriere ausgesehen. Firmen vom Zuschnitt des ur-sprünglichen Schweighofer’schen Familienbetriebs – Mühle, Landwirtschaft und Sägewerk – sind längst Geschichte. Das große Geld haben die kleineren von ihnen auch in ihren guten Zeiten nicht
abgeworfen. „In meiner Sandkiste sind keine bunten Plastikeimer gelegen“, so der Unternehmer, „ich habe mit Blechdosen gespielt.“
Seiner Bildung verdankt Schweighofer den phantastischen Aufstieg auch nicht: Mit sechzehn kratzte er in der HTL mangels schulischer Erfolge die Kurve und heuerte beim Herrn Papa an. Mit zarten 22 zog er in Ybbs das damals größte Sägewerk Europas auf. „Meine Zufriedenheit habe ich eigentlich nicht vom vielen Geld. Zufrieden sein habe ich von meinem Vater gelernt“, so Schweighofer über die 15 Jahre währende enge Zusammenarbeit mit seinem alten Herrn.
Den Durchbruch am Weltmarkt für Holz schaffte Schweighofer in Japan, wo er auch jetzt wieder mit dem neuen Werk mitmischt. Bei seinem ersten Anlauf unterbot er einfach die Preise der kanadischen Konkurrenz und punktete mit Qualitätsprodukten für den besonders anspruchsvollen Markt. Beim Verkauf der Firma an die Finnen regneten dann die Millionen. Wilfried Stadler, Vorstand der Investkredit Bank und der Schweighofer-Privatstiftung:
„Gerald Schweighofer ist ein Mann mit untrüglichem Instinkt für gute Geschäfte. Er hat das Unternehmen zum taktisch allergünstigsten Zeitpunkt verkauft.“
Schweighofers Eltern zogen aus dem Wohnhaus der Familie, das Stora Enso jetzt als Gästehaus dient, nach Krems um. Seine Schwester Marina Ecker bekam Grund und Boden, über den sie sich bei der M&A Privatbank einkaufte. Gerald Schweighofer stellte seine Vermögensverwaltung auf drei Säulen: Wertpapiere, Immobilien und Holzindustrie.

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