Das Image der Bahn ist katastrophal.

Der Überstundenboykott wirkt sich von Tag zu Tag massiver aus.

Schaffner sind dieser Tage immer häufiger in turbulente Szenen verwickelt. „Unsere Zugbegleiter haben manchmal schon Probleme, die Fahrkarten zu kontrollieren, weil sie als Privilegienritter beschimpft werden“, stöhnt ÖBB-Kommunikationschef Michael Hlawa: „Unser Image ist im Keller.“ Ein wahres Wort: Laut eigenen Umfragen der Bundesbahnen war die Beurteilung des Unternehmens noch nie so schlecht wie gerade jetzt. Dabei stehen die Auseinandersetzungen um die ÖBB-Reform der Regierung erst am Anfang: ein Kampf jeder gegen jeden, der die Bahn in diesem Herbst aus den Geleisen werfen könnte. Die Gewerkschaft hat ihre Dienst-nach-Vorschrift-Aktion gegen die Eingriffe ins Dienstrecht der Eisenbahner diese Woche begonnen. ÖBB-Chef Rüdiger vorm Walde plant Sanktionen gegen die Lokführer. Gleichzeitig kritisiert der Vorstand auch Kernpunkte des von Schwarz-Blau vorgelegten Reformpakets. Die SPÖ, der die ÖBBler Untätigkeit vorwarfen, schaltet sich ebenfalls ein. SP-Verkehrssprecher Kurt Eder: „Staatssekretär Kukacka hat als ÖVP-Urgestein nur das parteipolitische Kalkül, die Firma zu ruinieren.“ Der angesprochene Helmut Kukacka schießt zurück: »An den Eckpfeilern der Reform wird nicht gerüttelt. Für materielle Schäden und Imageverlust der ÖBB ist die Gewerkschaft verantwortlich.“

Gefahr droht für die Ballungszentren.
Auf der Strecke bleiben die Kunden. Der Überstundenboykott, bislang kaum spürbar, wird sich gegen Monatsende hin, wenn die Überstunden naturgemäß anfallen, von Tag zu Tag massiver auswirken. Gewerkschaftschef Wilhelm Haberzettl lässt keinen Zweifel: „Wir ziehen das durch.“ Trotz 12.000 Mitarbeitern, die in anderen Bereichen abgebaut werden müssen, herrscht bei den Lokführern eher ein Personalengpass – am gravierendsten bei der Schnellbahn in Wien und Umgebung. Hier ist auch das größte Chaos zu erwarten. Der morgendliche Pendlerverkehr nach und von Wien könnte in der zweiten Oktoberhälfte kollabieren. Weitere neuralgische Punkte im Personenverkehr: der Raum Linz und die Westbahn. Laut Gewerkschaft konzentrieren sich die mehr als vier Millionen Überstunden pro Jahr auf rund 10.000 Mitarbeiter im Fahrbetrieb (ÖBB gesamt: 47.000), von denen jeder im Schnitt 30 bis 35 Mehrstunden pro Monat leistet. Fallen die weg, sind schwere Störungen im Betrieb unvermeidlich.

Eine „teuflische“ Aktion der Eisenbahner.
General vorm Walde spricht von einer drohenden Fahrplanreduktion um 20 bis 25 Prozent. Der zuständige Vorstand Ferdinand Schmidt klagt: „Das Teuflische an dieser Aktion ist die Unberechenbarkeit. Ich kann nur sehr schwer vorbeugend reagieren, weil ich bei keiner Dienstplanänderung weiß, wer mitmacht.“ Haberzettl peilt genau das an: „Die Situation ist fataler als ein Streik. Es lässt sich nicht mehr steuern, wann was wo fährt.“

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